Foto falsch belichtet? Unterbelichtung, Überbelichtung, Gegenlicht?

Die Belichtungsautomatik der modernen Kameras ist hervorragend und meist darf man der Kamera die Regie überlassen. Dennoch kommt es zu falsch belichteten Fotos.

Unter- und Überbelichtungen bei Gegenlicht

Klassische Ursachen für Unterbelichtung und Überbelichtung

Das Schwierige an schwierigem Licht ist, dass wir es oft gar nicht zur Kenntnis nehmen.

Unsere Augen adaptieren die Lichtsituation in Bruchteilen von Sekunden.

Fotos bei schwierigem Licht
Belichtung bei schwierigem Licht

Unsere Kameras messen nicht das Licht – auch wenn es »Belichtungsmessung« heißt. Sie messen vielmehr die Helligkeit, die von den Objekten in der Szene zurückgeworfen wird.

Wenn vor der Kamera sowohl helle als auch dunkle Objekte liegen, kann die Belichtungsautomatik gute Arbeit leisten.

Fotots mit hellem Hintergrund
Wenn alles in Aufnahmerichtung hell ist – ein heller Hintergrund, in dem die wenigen dunklen Motive kaum eine Rolle spielen, sieht die Belichtungsmessung »Alles hell« und berechnet eine zu kurze Belichtungszeit.
Belichtungskorrektur plus 2
Hier hilft eine Belichtungskorrektur um 1 bis 2 Blendenschritte (+2)
Fotos mit hellen und dunkle Motiven
Das sieht kompliziert aus, aber hier ist alles gleichberechtigt vertreten: Helle und dunkle Motive und Farben.
Motiv klein im Bild
Da sieht die Kamera bis auf ein kleines Objekt nur dunkle Motive und belichtet zu lang.
Belichtungskorrektur in Blendenschritten
Äquivalent zur Bild 1 und 2 hilft hier eine Belichtungskorrektur von -1 bis -2 Blendenschritten
Falsch belichtetes Foto bei Gegenlicht
Die häufigste Ursache für falsch belichtete Fotos ist Gegenlicht. Hier würde es nur helfen, einen anderen Standpunkt zu suchen.

Unterbelichtungen

Die meisten Unterbelichtungen entstehen, wenn das Licht sehr hell ist. Wenn das Licht obendrein diffus ist – ein verhangener Himmel – erscheint uns das Licht gar nicht so hell.

Das klassische Hilfsmittel gegen die störenden Schatten bei Motiven in mittlerer Entfernung vom Fotografen ist der kleine Einbaublitz – auch wenn die Belichtungszeit so kurz ist, dass er scheinbar nicht gebraucht wird. Der Einbaublitz hellt die harten Schatten als »Fülllicht« auf, bringt aber nicht den unnatürlichen Charakter des ungebremsten Blitz­lichts in dunkler Umgebung mit. Der Einbaublitz hat bei Spiegelreflexkameras eine Reichweite bis etwa 5 Meter und kann so den Vordergrund gut ausleuchten.

Fotografieren bei Mittagslicht
Mittags lässt man die Kamera besser im Koffer … die Schatten sind die Hölle, die Hauswand ist stellenweise reinstes Persilweiß
Gegenlichtaufnahmen : Scherenschnitt
Gegenlichtaufnahmen können ihren Reiz haben – der Scherenschnitt-Charakter der Gegenlichtaufnahme.
Sonnenaufgang als Gegenlichtfoto
Der Sonnenaufgang, wenn die Sonne noch tief am Horizont steht, ist immer gut für eine Gegenlichtaufnahme.

Der Einbaublitz ist für Landschafts- und Architekturfotos nicht geeignet. Hier wäre eine Belichtungskorrektur um 1 bis 2 Blendenschritte angebracht. Aber eine Belichtungskorrektur hellt das Foto insgesamt auf und der Himmel würde bei einer Belichtungskorrektur ins reine Weiß rutschen. Anders als Überbelichtungen lassen sich Unterbelichtungen im Bildbearbeitungsprogramm gut korrigieren.

Vielleicht hat die Kamera schon eine HDR-Funktion? Die eingebauten HDR-Funktionen der Digitalkameras sind mild und ein leichtes HDR aus der Kamera ist dem Foto kaum anzusehen.

Fotofalle Gegenlicht

Eine der häufigsten Ursachen für Unterbelichtungen ist das Gegenlicht bei Fotos von einem schattigen Standort ins helle Licht. Selbst an eher bedeckten Tagen, an denen wir die Sonne scheinbar gar nicht zu Gesicht bekommen, zeigen Aufnahmen gegen den Sonnenstand die typischen Folgen einer Gegenlichtaufnahme: den dunklen Vordergrund vor einem viel zu hellen Hintergrund.

Unterbelichtung
Auch wenn uns der Platz vor den Bäumen dunkel erscheint: Die Kamera misst die Helligkeit, die vom Apfelschimmel, von den Blättern der Bäume und den Pflanzen auf dem Boden zurückgeworfen wird.

Blattwerk, Glas und Wasseroberflächen können die Belichtungsmessung durch Reflexionen täuschen.

Und so dunkel wie im Foto ist das Grün auf dem Boden natürlich nicht – der dunkle Grund kommt ja erst durch die Unterbelichtung zustande.

Unterbelichtung durch diffuses Gegenlicht

Unterbelichtung durch diffuses Gegenlicht

Gegenlicht beim Foto

Besser also einen Schritt zur Seite, bis die Bäume im Hintergrund volle Deckung liefern … aber den stolzen Blick von oben gibt es nicht noch einmal.

Es ist schon eine ordentliche Portion Erfahrung erforderlich, um Gegenlicht schon vor der Aufnahme sicher zu erkennen. Wenn die Zeit reicht, können Fotos in alle Himmelsrichtungen helfen: Das Licht kommt aus der Richtung des hellsten Himmels.

Gegenmaßnahmen bei drohenden Gegenlichtaufnahmen

  • Einen Schritt zur Seite machen, bis der Hintergrund das Gegenlicht abdeckt.
  • Das Motiv größer ins Bild setzen – dann spielt der Hintergrund bei der Belichtungsmessung eine kleinere Rolle.
  • Wenn es das Motiv erlaubt und der Abstand nicht zu groß ist, den Blitz als Fülllicht für das Motiv einsetzen.
  • Eine Spotmessung auf das Motiv benutzen, um das Motiv richtig zu belichten. Dabei wird aber der Hintergrund vernachlässigt und kann ins reine Weiß entgleiten.

Überbelichtungen

Um die Ursachen für Überbelichtungen zu erkennen muss man meistens einen Blick in die Exif-Daten des Fotos werfen. Natürlich kommen Überbelichtungen auch durch Gegenlicht zustanden – aber Überbelichtungen durch Gegenlicht erkennt man an gleichzeitiger Überbelichtung und Unterbelichtung im Foto. Reine Überbelichtungen, in denen das gesamte Foto zu hell ist, beruhen meist auf falschen und vergessenen Einstellungen der Kamera.

Blende F2, 1/4000 sek

Blende F2, 1/4000 sek: Die kürzeste Belichtungszeit der Kamera ist noch zu lang für das helle Sonnenlicht.

Spotmessung und Belichtungskorrektur

Fotografiert mit einer vergessenen Spotmessung und Belichtungskorrektur.

Belichtungskorrektur zurücksetzen

Fotografiert mit einer vergessenen Belichtungskorrektur

Typische Ursachen für Überbelichtungen

  • Vergessene Belichtungskorrekturen
  • Falsche Belichtungsmessung
  • Vergessene Belichtungsspeicher

Zwar zeigen Kameras die eingestellte Belichtungskorrektur anhand einer Skala oder durch ein Plus/Minussymbol im Sucher oder auf dem Display, aber oft konzentriert sich der Fotograf einfach auf das Motiv. Auch die Warnung bei einer drohenden Überbelichtung wird entweder nicht erkannt oder ignoriert oder übersehen.

Überbelichtungen sind viel problematischer als Unterbelichtungen: Überbelichtungen können nur begrenzt mit dem Bildbearbeitungsprogramm korrigiert werden.

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