5 Schritte: Retusche, Tonwert- und Farbkorrektur, Skalieren und Schärfen

Natürlich kann man über die Bearbeitung von Fotos diskutieren – der eine will seine Fotos als Original nicht antasten und schwört auf den dokumentarischen Charakter von Fotografien, der andere sieht das Foto als Gesamtwerk und verbringt lange Stunden auf der Suche nach der Perfektion.

5 klassische Schritte der Bildbearbeitung
Jedes gute Foto ist eine Nacht in der Dunkelkammer …

Seit den ersten Tagen der Fotografie haben Fotografen Nächte mit Anwedeln und Nachbelichten verbracht, wir haben voller Leidenschaft montiert und retuschiert. Die digitale Fotografie hat die Nachbearbeitung des Fotos nicht einfacher gemacht. Es ist nur nicht mehr so ungemütlich und so einsam wie in der Dunkelkammer.

Der Weg zum perfekten Foto führt über das Nachbearbeiten des Fotos in der Bildbearbeitungs-Software. Die Fülle der Funktionen für die Bildkorrektur birgt auch Zweifel: Ist mein Vorgehen optimal oder wäre hier nicht eine andere Technik angebracht? Immer wieder werden wir in den Fotokursen in Duisburg, Köln und Bonn nach dem besten Vorgehen in der Bildbearbeitung gefragt.

Infografik: 5 Schritte in der Bildbearbeitung
Bildbearbeitung startet mit den Objektivkorrekturen und der Retusche, gefolgt von der Tonwertkorrektur, gefolgt von der Farbkorrektur, gefolgt von der Vergrößerung bzw. Verkleinerung. Am Ende wird das Bild geschärft.

Die systematische Korrektur bringt festen Grund in die Bildbearbeitung. Natürlich kann ein erfahrener Bildbearbeiter mit der einen oder anderen Technik mehr aus dem Foto holen oder seinem persönlichen Geschmack mehr Raum geben.

Mit einem festen Arbeitsablauf oder Workflow hat man jedes Bildbearbeitungsprogramm schnell im Griff: Lightroom oder Darktable, Photoshop oder Gimp.

Ablauf der Korrekturen im Bildbearbeitungsprogramm

Die Reihenfolge der Schritte gilt vor allem der Bearbeitung von Fotos im JPG-Format. Bei Fotos im RAW-Programm spielt die Reihenfolge der Korrekturen keine Rolle, bis das Bild aus dem RAW-Programm in ein Bildbearbeitungsprogramm geholt wird. Dasselbe gilt für die Bearbeitung von Fotos in Adobe Lightroom und Darktable: Dort ändern die Korrekturen das physikalischen Foto nicht, sondern die Korrekturen werden bis zum Export für das Internet und für den Druck nur auf dem Monitor angezeigt.

Dennoch macht die Reihenfolge Helligkeitskorrekturen vor Farbkorrekturen auch bei RAW-Fotos Sinn. Auch im RAW-Programm klären die Helligkeitskorrekturen die Farben.

Arbeiten im größtmöglichen Farbraum

Zur obersten Devise der Bildkorrektur gehört der Grundsatz:

Erst optimieren, dann reduzieren!


Korrekturen werden nach Möglichkeit im Ursprungsfarbraum der Datenquelle (Scanner, Digitalkamera) durchgeführt und bei der Original-Farb- bzw. -Bittiefe.

Die Bildbearbeitung reduziert die Helligkeitsstufen in den Farbkanälen ohnehin und führt gegebenenfalls sogar zu Lücken. Je später im Bearbeitungsprozess die Farbtiefe verringert und der Farbraum geändert wird, je später das Bild verkleinert oder vergrößert wird, desto besser.

Schritt 1: Fotos entzerren, drehen, Ausflecken, Objektivkorrekturen

Pixelbewegungen werden vor den Helligkeitskorrekturen durchgeführt.

  • Müssen kleine Retuschen wie Ausflecken durchgeführt werden, muss ein Schatten oder ein störendes Möbel verschwinden oder soll ein Bildausschnitt so gewählt werden, dass der störende Fleck auf dem Jackett sowieso verschwindet?
  • Bei gescannten Bildern: Sind Fussel oder Flecken zu entfernen? Das Ausflecken des gescannten Bildes geschieht vor den weiteren Bearbeitungsschritten.
  • Wenn die Kamera gekippt war: Gedreht und entzerrt wird ebenfalls vor den Helligkeits- und Farbkorrekturen, solange die Pixel noch weich sind und keine Sprünge durch Helligkeitskorrekturen entstanden sind.
  • Wenn Schwarzweiß oder Duplex gefragt ist, wird das Bild vor den Helligkeits- und Kontrastkorrekturen in ein Graustufen-/Duplexbild umgewandelt.
schritt1-ausrichten-stempeln Eine kleine Gruppe von Besuchern mit dem Stempel entfernt, dann die Objektivkorrektur (hier einfach nur entzerren), denn jetzt sind die Verläufe noch weich und der volle Tonwertumfang liegt noch vor.
schritt1-ausrichten-freistellen Das Entzerren des Fotos läßt leere Bildbereiche entstehen, also freistellen. Das Foto wird vor den allen Helligkeits- und Farbkorrekturen freigestellt. Für ein bestimmtes Bildformat – z.B. für eine Postkarte – muss der Bildausschnitt bestimmt werden. Besonders gut geeignet ist das Freistellungswerkzeug, denn es dunkelt die Umgebung um den Freisteller ab und schafft so einen besseren Überblick für die Gestaltung des Ausschnitts.

Schritt 2: Helligkeit und Kontrast

Helligkeits- und Kontrastkorrekturen werden vor den Farbkorrekturen durchgeführt, da diese Korrekturen auch die Farben des Bildes verändern.

Außerdem wird der überwiegende Teil der Farbfehler schon in der Tonwertkorrektur / Gradationskurve durch „Tiefen setzen“, Weißpunkt setzen“ und „Mittelton setzen“ eliminiert.

Schritt 3: Farbkorrekturen

Die Tonwertkorrektur bzw. die Gradationskurven haben Farbstiche beseitigt, die sich das gesamte Bild oder auf bestimmte Helligkeitsbereiche des Bildes auswirken. Farbstiche, die in begrenzten Bereichen des Motivs vorliegen – lokale Farbstiche wie ein Magentastich in den Hauttönen des Portraits oder ein falsches Rot in einem roten Kleid – werden nach den Helligkeitskorrekturen korrigiert.

Wenn eine einzelne Farbe in einem Bildbereich nicht wie gewünscht wiedergegeben wird, kann sie mit Farbton/Sättigung in der Farbskala leicht (im Sinne von „etwas“) verschoben werden.

Farbkorrekturen werden vor dem Schärfen durchgeführt, da der Unscharf Maskieren-Filter die Kontraste und Farben an den Konturen beeinflusst.

Für lokale Farbkorrekturen nutzen die meisten Bildbearbeitungsprogramme den Lab-Farbraum, in dem Farben und Helligkeiten getrennt voneinander geregelt werden:

  • Hue verschiebt den Farbton,
  • Saturation oder Sättigung verstärkt eine Farbe oder entsättigt sie,
  • Lightness oder Helligkeit regelt die Helligkeit einer Farbe.
schritt1-helligkeit Helligkeits- und Kontrastkorrekturen werden vor den Farbkorrekturen durchgeführt, da diese Korrekturen auch die Farben des Bildes verändern.
schritt4-farbe Die Helligkeitskorrektur mit der Gradationskurve und dem Setzen der Tiefen und des neutralen Tons hat die Farben schon geklärt. Farbton- und Sättigung noch nach Geschmack korrigieren.

Schritt 4 Bildgröße, Auflösung und Interpolation

Erst nach den Helligkeitskorrekturen und Farbkorrekturen wird das Bild vergrößert oder verkleinert, denn Helligkeits- und Farbkorrekturen gelingen exakter und ohne Abrisse in den feinen Verläufen, je höher Auflösung und Farbtiefe des Fotos sind.

Für den Druck sind Zentimeter-Angaben und die Druckerauflösung wichtig – die Druckerauflösung (DPI oder Dots per Inch) beträgt bei Fotos fast immer 300 DPI.
Und die DPI bei Fotos für die Webseite? Dots per Inch gibt es nicht für Webseiten, sondern nur die Pixel zählen.

Schritt 5: Fotos schärfen

Das Schärfen erfolgt erst nach der Vergrößerung bzw. Verkleinerung, denn das Scharfzeichnen im Bildbearbeitungsprogramm kann immer nur die Folgen einer Interpolation mildern, nicht aber wirklich die Schärfe eines schlechten Fokussierens verbessern.

Das nachträgliche Schärfen – fast immer mit einem »Unscharf Maskieren-Filter« – dient nur der Milderung des Weichzeichnungseffekts, der bei einer Vergrößerung einzieht. Dabei gilt die lockere Regel: Bilder mit flächigen Farben und wenig Details vertragen weniger Scharfzeichnen als Bilder mit vielen feinen Strukturen. Je größer ein Bild ist, desto mehr Stärke darf eingestellt werden.


Der E6-Prozess der analogen Dunkelkammer

In der analogen Dunkelkammer gab es in den kommerziellen Laboren einen standardisierten Prozess für die Entwicklung des Fotos: den E6-Prozess. Bis der E6-Prozess eingeführt, hatte jedes Fotolabor seine eigenen Abläufe und viele Fotolabore passten sich nur ungern an den E6-Prozess an – die individuellen Techniken konnten durchaus zu besseren Belichtungen führen.

Insgesamt aber hat der E6-Prozess eine hohe Verläßlichkeit und Qualität in die Entwicklung des analogen Films gebracht. Ein gut verstandener Ablauf bringt bessere Ergebnisse als Experimente und Bauchgefühl. Dasselbe gilt auch für einen Workflow bei der Korrektur digitaler Fotos.

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Original Objektivkorrekturen Retusche / Freistellen Helligkeits- und Kontrastkorrekturen Farbkorrekturen Vergrößern / Verkleinern Schärfen