Warum Fotos unscharf werden: Schärfe im Fokus

Nicht richtig scharf gestellt, verwackelt und vom Winde verweht … wenn das Bild nicht scharf ist, ist es nichts geworden. Diese Binsenweisheit galt schon in der analogen Fotografie.

Ursachen für unscharfe Fotos

Einem Bild, das nicht richtig scharf gestellt wurde, kann auch das beste Bildbearbeitungsprogramm keine saubere Schärfe verleihen.

Sobald das Foto auf der Speicherkarte liegt, gibt es kein Mittel mehr, ein unscharfes Foto nachträglich in den Fokus zu setzen.

unscharf und auch etwas kontrastarm

Ein hoher ISO-Wert lässt das Bild unscharf und auch etwas kontrastarm wirken. Bei so viel ISO helfen Schärfen und Farbkorrekturen nicht.

Bewegungsunschärfe.

Am frühen Morgen mit dem Stativ fotografiert, aber die Boote dümpeln auf dem See und zeigen eine deutliche Bewegungsunschärfe.

Geblitzt und trotzdem unscharf

Geblitzt und trotzdem unscharf: Belichtungszeit zu lang. Davon abgesehen: Die Schärfe liegt auf dem Jägerzaun.

Nicht exakt fokussiert

Nicht exakt fokussiert – aber hier kann die Schärfe noch durch Unscharf Maskieren im Bildbearbeitungsprogramm aufgebessert werden.

Bewegungsunschärfe muss aber kein Fehler sein

Bewegungsunschärfe muss aber kein Fehler sein. Die Bewegungsunschärfe trennt auch den Vordergrund vom Hintergrund.


Software – egal ob Photoshop, Schnäppchen von der Heft-CD oder hochgezüchtete Software vom Kamerahersteller – kann an den Kontrasten drehen, aber sie kann falsches Fokussieren nicht wettmachen.

Kantenkontraste verbessern den Schärfe-Eindruck, aber sie holen keine Details und feine Zeichnung hervor.

Bildbearbeitung: Schärfe gibt's nicht

Theorie hin und Theorie her: Helfen tut's trotzdem. Insbesondere RAW-Aufnahmen, bei denen die Kamerasoftware noch nicht zugeschlagen hat, vertragen immer noch eine gute Portion Schärfe.

So manch ein erfahrener Fotograf stellt die Schärfeeinstellung im Menü seiner Kamera zurück, um sich das Schärfen seiner JPEG-Bilder je nach Motiv und Geschmack vorzubehalten.

Extreme Offenblende: F/1.2 Mit der extremen Offenblende des Canon 85 mm F1.2 trennt das Motiv zwar gut vom Hintergrund, aber eine perfekte Schärfe liefert das Spitzenobjektiv bei Blende F1.2 nicht.
Photoshop: Kantenkontrast Aber hier kann Photoshop gut nachhelfen: Der Kantenkontrast lässt das Foto insgesamt schärfer erscheinen.

Unser Auge liebt den Kantenkontrast und wir geben einem Bild, das zusätzliche Schärfe aus dem Kantenkontrast mitbringt, schnell den Vorzug über die einfache Detailzeichnung – aber die Schärfe muss schon durch exaktes Fokussieren entstehen und aus einem scharfen Objektiv stammen.

Was ist denn nun tatsächlich Schärfe? Erst einmal ist Schärfe ein Sinneseindruck. Wir empfinden ein Foto als scharf, wenn wir feinste Details in den Oberflächen erkennen.

Die perfekte Schärfe liegt in einem Foto aber immer nur in einer bestimmten Entfernung vom Sensor zum Motiv – der Schärfenebene. Alle Punkte davor und dahinter sind theoretisch unscharf.

Schärfentiefe

Allerdings erkennen wir noch einen Bereich vor und hinter der perfekten Schärfe als scharf an – die Schärfentiefe.


Kleines Motiv: abgeblendet Bei einem kleinen Motiv, das groß ins Bild gesetzt wird, muss schon auf Blende F11 abgeblendet werden, damit die Schärfe über die Arbeitsplatte bis zu den Fliesen reicht.
Kleines Motiv – große Abbildung im Foto Anders herum reicht schon Blende F4 bei einem kleinen Motiv und großer Abbildung im Foto, um eine kurze Schärfe und einen aufgelösten Hintergrund ins Foto zu setzen.

Die große Blende bringt die kleine Schärfentiefe, die kleine Blende eine lange Schärfentiefe – das ist für die meisten Fotografen der erste Schritt in die Fototechnik.

Aber auch die Größe des Sensors und die Abbildungsgröße des Motivs spielen eine wichtige Rolle.

Die Schärfentiefe ist umso geringer

  • je größer das Motiv im Bild abgebildet wird,
  • je größer der Sensor ist,
  • je größer die Blende ist.

Das Bild wird insgesamt umso unschärfer

  • je höher der ISO-Wert,
  • je stärker die Komprimierung,
  • je diesiger die Luft,
  • je weiter der aufgenommene Punkt vom Mittelpunkt des Bildes entfernt ist,
  • je extremer die Brennweite eines Zoomobjektivs ist.

Die große Schärfentiefe der Kompaktkameras

Kompaktkameras –lange Schärfentiefe Kompaktkameras haben aufgrund ihres kleineren Sensors immer eine lange Schärfentiefe. Für viele Fotografen ist die lange Schärfentiefe ein Grund, auf eine Systemkamera oder Spiegelreflexkamera umzusteigen: Sie verlangen nach der schönen Auflösung hinter dem Motiv.
Lange Schärfentiefe der Kompaktkamera Aber die lange Schärfentiefe der Kompaktkamera ist auf ihre Stärke: Es gibt so viele Motive, die einfach nach einer großen Tiefenschärfe verlangen.
Kompaktkamera – schöne Unschärfe hinter dem Motiv Am Ende kann auch die Kompaktkamera eine schöne Unschärfe hinter dem Motiv ins Bild setzen: Aber das Motiv muss groß im Foto abgebildet werden.

Mehr über richtig Scharfstellen

Dez 2017

Bildgestaltung mit der Kompaktkamera

Fotos mit der Kompaktkamera profitieren von der langen Schärfentiefe
Jun 2017

Weicher Hintergrund, scharfes Motiv

Wie bekommt man die schöne Unschärfe den den Hintergrund?

Ivent Fotokurse
Entdecken, was hinter dem Spiegel liegt …