XMP-Dateien – Sidecar der RAW-Dateien

Haben Sie sich schon mal über Dateien mit der Endung .xmp im Bilderordner gewundert? Um die verlustfreie Bearbeitung von RAW-Fotos zu ermöglichen, speichern Photoshop, Lightroom und Aperture die Bearbeitungsschritte in einer eigenen Datei – dem sogen. Sidecar.

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XMP-Dateien speichern Metadaten – Stichwörter, Beschreibung und Ortsdaten und sogar Bearbeitungsschritte von Fotos. Wer Fotos, Videos und Grafiken mit einem Bilddatenbank-Programm verwaltet, wird schon XMP-Dateien in den Verzeichnissen des Bildarchivs gesehen haben.
XMP ist die moderne Version des älteren IPTC-Standards zur Beschreibung von Mediendateien.

XMP-Dateien im Bilder-Ordner

So sieht es in einem Ordner oder Verzeichnis aus, wenn XMP-Dateien zum Bild erzeugt wurden: Neben den Bilddateien gibt es eine Textdatei mit der Namenserweiterung .xmp

IPTC – Standard für die Beschreibung und Beschriftung von Fotos

International Press Telecommunications Council (IPTC) wurde zusammen mit der Newspaper Association of America (NAA) schon 1990 veröffentlicht, um Informationen zu Bildern, Fotos, Texten, Audio, Video in einem standardisierten Format zu speichern. Das Besondere: Diese Daten können in die Mediendateien geschrieben werden.

IPTC war für Bildagenturen und kommerzielle/kommunale Bildarchive gedacht, aber Bildarchive finden wir heute auf vielen PCs, wenn Fotografen, Fotostudios, Grafikagenturen ihre Fotos mit einem Bilddatenbankprogramm verwalten und organisieren. Darum wurde IPTC zu XMP erweitert.

Der neue Standard: XMP

Adobe XMP (ExtensibleMetadata Platform) ist flexibler als IPTC und wird zudem von allen Bilddatenbanken genauso wie von preiswerten Shareware-Programmen und Open Source-Projekten unterstützt. Auch Bildbearbeitungsprogramme und Dateibrowser können die Metadaten lesen und Bilder, Grafiken und Videos sofort sortiert zum Durchsuchen zur Verfügung stellen.

XMP Extensible Metadata Platform ist ein offener Standard, der 2001 von Adobe veröffentlicht wurde. XMP stellt Daten zu Medien wie Fotos, Textdokumente und PDF-Dokumente dar, z.B. Datum der Bilderfassung, Datum der Dateierzeugung, Autor, Copyright-Informationen, Ort der Aufnahme usw.

XMP-Informationen können in die Mediendatei geschrieben werden oder als Sidecar, als Seitenwagen, in eine Textdatei im selben Verzeichnis wie die Bilddatei abgelegt werden, denn nicht alle Bildformate können die Metadaten einbetten. Die zusätzliche Datei zu jedem Bild oder Video stört viele Benutzer in der Verzeichnisstruktur, aber XMP-Dateien sind klein (meist um 3KB) und haben handfeste Vorteile:

  • Beim Backup der Bilddatenbank muss bei Änderungen der Metadaten nur die XMP-Datei in ein inkrementelles Backup aufgenommen werden und nicht die komplette Bilddatei. 
  • Die XMP-Datei wird von vielen Anwendungen gelesen – auch vom Finder unter Mac OS und vom Explorer unter Windows. Dann können Bilder oder Videos ohne die Bilddatenbank-Software mit Betriebssystemmitteln gesucht werden: Einfach das Stichwort im Suchfeld eingeben.

Photoshop RAW und XMP

Auch Adobe Photoshop nutzt XMP-Dateien im Ordner des Fotos, um Korrekturen an RAW-Bildern außerhalb der Bilddatei zu speichern. Wer einen tiefen Blick in ein Verzeichnis mit RAW-Dateien wirft, die mit Photoshop bearbeitet wurden, wird zu jeder Bearbeitung auch die XMP-Datei entdecken.

RAW-Dateien zurücksetzen

Wird die xmp-Datei des RAW-Fotos gelöscht, ist das RAW-Bild wieder im Originalzustand.

Nur mit Hilfe dieser XMP-Datei kann Photoshop die Datei erneut mit allen Änderungen öffnen. Adobe Bridge nutzt die XMP-Datei, um die Bildkorrekturen in der Vorschau anzuzeigen. Wird die XMP-Datei gelöscht, sind die Änderungen dahin.

<crs:Temperature>6450</crs:Temperature>
<crs:Tint>+4</crs:Tint>
<crs:Exposure>0.00</crs:Exposure>
<crs:Shadows>5</crs:Shadows>
<crs:Brightness>+75</crs:Brightness>
<crs:Contrast>+21</crs:Contrast>
<crs:Saturation>-11</crs:Saturation>

Vergiss mir den Seitenwagen nicht …

Aperture und Lightroom schreiben Änderungen nicht von vornherein in die XMP-Datei, sondern verwalten die Daten programmintern. „Änderungen automatisch in XMP speichern“ ist in den Voreinstellungen von Lightroom aus Performance-Gründen nicht aktiviert.

Wer befürchtet, dass Lightroom langsamer wird, weil die Metadaten permanent in die XMP-Datei geschrieben werden, sollte von Zeit zu Zeit die Metadaten in die XMP-Dateien übernehmen (Metadaten / In Dateien speichern). Nur dann stehen die Metadaten auch anderen Programmen zur Verfügung. Aperture fragt bei jedem Export der Original-Datei, ob die Metadaten im IPTC/XMP-Sidecar ausgeliefert werden sollen.

RAW aus Aperture in Lightroom oder Photoshop übertragen

Das Übertragen der Metadaten in den Sidecar macht das Foto-Archiv unabhängig vom Archivprogramm oder der Bilddatenbank – so können andere Programme die Metadaten übernehmen.

Die Metadaten aus Apple Aperture wie Schlüsselwörter, Personen und Ereignisse werden im XMP-Sidecar exportiert. Dass die Korrekturen, die in Apple Aperture durchgeführt wurden, nicht übernommen werden, ist verständlich: Bildkorrekturen sind kein Standard.

Adobe Photoshop übernimmt Korrekturen des RAW-Bildes aus Lightroom, nichtaber die Korrekturen aus Apple Aperture. Erst ein Export als TIFF oder JPEG liefert das korrigierte Bild aus, der Export der Originaldatei exportiert die Original-RAW-Datei.

Wie Bridge RAW-Bilder aus Aperture sieht

Am Ende ist das RAW-Bild trotz des einfaches Arbeitsablaufs in Lightroom oder Aperture doch ein Original. Wer von einem RAW-Bearbeitungsprogramm auf ein anderes umsteigt, fängt also wieder von vorn an. Aber schließlich und endlich ist die Hauptaufgabe eines Bildarchivs die sichere Verwahrung der Originale.

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