Teure Kamera contra preiswerte Kamera

Teure Kamera, preiswerte Kamera – wo liegen die Unterschiede? Die Sensoren gleicher Klasse liefern eine vergleichbare Qualität, aber die Gehäuse teurer Kameras sind robuster.

Was unterscheidet teure von preiswerten Kameras?

Mein alter Freund Jörg will eine neue Kamera kaufen. »Meine Kompaktkamera macht ja eigentlich gute Fotos, aber auf der einen Seite will ich nicht nur mit der Automatik fotografieren, sondern mehr steuern und dann will ich auch Wechselobjektive.

Zuhause fotografiere ich meine Frau und die Kinder und ab und zu ein Konzert. Im Urlaub Erinnerungsfotos für die Webseite und gedruckte Fotobücher.

Natürlich habe ich mich umgesehen und Preise verglichen. Aber ich komme nicht dahinter, warum Kameras mal 500 € und mal 750 € und mal 1800 € kosten. Wo liegen die Unterschiede und kriege ich was davon mit?«

Qualität je Kameraklasse

»Also: Zunächst liefern die Sensoren der einzelnen Klassen von Kameras eine vergleichbare Qualität. Ob du nun eine Kamera für 500 € oder für 1500 € kaufst – die Fotos aus beiden Kameras werden gleich gut, egal wie teuer die Kameras sind.

Bei gleichen Einstellungen und gleichem Objektiv kann keine Messung einen prägnanten Qualitätsunterschied feststellen – gleich, ob das Foto aus einer Nikon D3000 oder einer Nikon D300, aus einer Canon 60D oder Canon 600D stammen.« 

Die Klassen sind:

  • Kompaktkameras (kleiner Sensor),
  • Four Thirds (Panasonic, Olympus und Leica),
  • Kameras mit APS-C-Sensor (Nikon, Canon, Sony),
  • Kameras mit Vollformat-Sensor (Nikon, Canon, Sony, aber ab rund 2000 Euro aufwärts).
Sensorgrößen: Vollformat, APS-C Nikon, Sony, APS-C Canon, Four Thirds
Sensorgrößen: (1) Vollformat, (2) APS-C Nikon / Sony, (3) APS-C Canon, (4) Four Thirds
Der Größenunterschied zwischen den Sensorklassen bringt vor allem kreative Freiheit in der Bildgestaltung. Aber der Größenunterschied macht sich im Geldbeutel vor allem beim Preis für gute Objektive bemerkbar.

Sensorgröße = Kreative Freiheit

Du suchst also nach einer Kamera mit Wechselobjektiv, aber klein und kompakt. Du kannst dir jede Systemkamera (Kamera mit Wechselobjektiv) zulegen. Du willst eine größere kreative Freiheit, also wird es eine Kamera mit Four Thirds-Sensor oder einem APS-C-Sensor. Eine Kamera mit Vollformatsensor steht nicht zur Debatte: Zu groß, zu schwer, zu teuer.

Egal wie teuer: Die Bildqualität ist – wie schon gesagt – mit minimaler Schwankung in einer Sensorklasse die Gleiche.

Unterschiede zwischen teuren und preiswerten Kameras

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kamera-gehaeuse-spritzwasser-geschuetzt

Preiswerte Kamera

Kunststoffgehäuse

Teure Kamera

Spritzwasser- und staubgeschützt

Die Profis und Semiprofis ab 1000 € aufwärts sind spritzwassergeschützt. Du kannst im Regen und im Sandsturm der Sahara fotografieren. Mit der Kamera für 500 € geht das nicht.

Die teure Kamera im spritzwasser- und staubgeschützten Gehäuse bestehet aus stabilem leichten Magnesium. Knöpfe und Schalter sind abgedichtet, damit weder Wasser noch Staub in das Gehäuse eindringen können. So eine Kamera wird auch den einen oder anderen Zusammenstoß und vielleicht sogar einen Fall besser überleben.

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Schnelle Serienfotos, aber der Autofokus ist langsamer und verpasst das eine oder andere Mal das Ziel Preiswerte Kameras lösen in 1/2000 mechanisch und 1/4000 sek elektronisch aus.

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Schnellere Serienfotos mit einer hohen Trefferquote Du kannst davon ausgehen, dass die teuren Kameras schneller auslösen, also eine schnellere und bessere Mechanik haben. Die ganz teuren ab 3000 Euro aufwärts lösen rein mechanisch unglaublich schnell aus (1/8000 sek).

Die Hersteller garantieren den mechanischen Teilen keine so lange Lebenszeit wie bei den teuren Kameras
Die mechanischen Teile der Kamera sind höheren Belastungen gewachsen

Wie lange halten der Verschluss und bei einer Spiegelreflexkameras die Spiegelmechanik durch, wenn sie innerhalb von 1/8000 oder 1/4000 sek auf- und zugeschossen werden? Die ganz teuren Kameras machen das wahrscheinlich rund 150.000-300.000 Auflösungen mit, bei den preiswerten geben die Hersteller der Mechanik nur 80.000 bis 150.000 Auslösungen.

Dieselben Funktionen, aber nur über das Menü zu erreichen. Mit dem Blick durch den Sucher mal eben schnell auf Spotmessung schalten ist nicht drin …

Viele Knöpfe auf dem Body und ein Display oben auf dem Body für die wichtigsten Einstellungen

Die ganz teuren Kameras haben mehr Knöpfe auf dem Kamerabody, so dass man selten in das Kameramenü muss – z.B. um den Belichtungsspeicher manuell einzustellen oder um eine Spotmessung durchzuführen. Preiswertere Kameras haben im Grunde genommen dieselben Funktionen, aber der Fotograf muss in ein tiefes Menü. 

Ein heller Sucher mit einem Pentaprisma zeigt das Bild so, wie es aufgenommen wird

Ein fünf-seitiger Spiegel anstelle eines Pentaprismas. Der Sucher verkleinert das Bild und zeigt nicht den korrekten Bildausschnitt. Im Foto ist immer noch etwas mehr am Rand als im Sucher

Teure Spiegelreflexkamera haben einen besseren Sucher, in dem man 100% vom Motiv sieht. Preiswerte Kameras haben einen Sucher, der auf etwa 90-95% verkleinert (und der – Oh Wunder des Marketings – als "Suchervergrößerung" bezeichnet wird)

Bei einer Systemkamera ohne Spiegel gibt es keinen optischen Sucher und du musst mit dem Display und evt. einem elektronischen Sucher auskommen. Die Displays sind heute zwar auch bei Sonnenschein recht gut, aber hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Bei hellem Sonnenschein brauchst du ein helles Display, wenn du wissen willst, ob du gerade auf die Sandburg oder auf dem Dom scharf stellst.

back-fokus

Der Autofokus kann schon mal vor oder hinter dem fokussierten Motiv liegen: In preiswerten Kameras keine Seltenheit.

fokus

Der Autofokus stimmt

Die teureren Spiegelreflexkameras haben selten einen Front- oder Backfokus. Das ist eine Schwachstelle der Feinmechanik, weil die Sensoren heute kleiner sind als der Film. Wenn eine Kamera einen Front- oder Backfokus hat, wird die Schärfenebene schon mal vor oder hinter dem fokussierten Motiv liegen. Ob man was dagegen machen kann? Ja, natürlich. Du lässt man sie beim Herstellersupport einrichten und fertig. 

Die Stärken der preiswerten Kameras

Die Einsteigermodelle kommen dem Einsteiger entgegen. Sie bringen Funktionen wie HDR oder Active DeLighting mit, sie haben klapp- und drehbare Displays. Die Profimodelle haben oft nicht einmal einen Einbaublitz.

Dabei haben Einsteigerkameras heute sogar schon mal einen Einbaublitz, der einen externen Blitz drahtlos ansteuern kann. Dafür müssen Fotografen mit einer Profikamera zwei Blitzgeräte mitschleppen.

Die Bilder aus der Einsteigerkamera kommen »Pret à porter« – sie sind schon in der Kamera optimiert worden. Die Fotos aus Profikameras sind oft blasser und zunächst weniger kontrastreich. Hier gehen die Hersteller davon aus, dass der Fotograf seine Fotos selber optimieren will.

Neue Kamera – alte Kamera

Aber wir können feststellen, wie alt das Kameramodell als solches ist. Jede neue Generation hat in den letzten drei Jahren einen großen Sprung nach vorn gemacht. 

Die Qualität kommt vom Objektiv. Je besser das Objektiv, um so schneller wird die Kamera (z.B. durch Ultraschallmotoren, bessere Lichtstärke, weniger Zoombereich).

Einsteigerkamera vs Profikamera

»Also: Einsteigermodelle sind super und stehen in der Qualität nicht hinter den teuren Modellen zurück. Am besten ist fast immer ein möglichst neues Modell.

Sony ist stark in der Entwicklung, Canon bewegt sich alle Jubeljahre einmal, Nikon hält sich tapfer für einen kleinen Familienbetrieb. Canon und Nikon betreiben eine saubere Modellpflege, Olympus und Panasonic natürlich ebenso. Sony hat vielleicht weniger Firmware-Updates als die traditionellen Kamerahersteller, dafür ist Sony stark in der Entwicklung neuer Funktionen. Und dann ist auch noch Samsung unter die Kamerahersteller gegangen. Bei den Newcomern unter den Kameraherstellern bin ich schon mal ein wenig skeptisch, wie lange sie wohl im Rennen bleiben. Der Kameramarkt ist unter Druck und die Kameras in den Handys graben den großen Kameras viel Wasser ab. Schau dir an, welche Aufsteigermodelle schon auf dem Markt sind, falls du eines Tages ein ambitionierter Fotograf wirst.«

Was kommt nach der Einsteigerkamera?

Jeder Kamerahersteller hat seine eigene Objektivpalette und Objektive von Canon passen nicht an eine Nikon, Nikon-Objektive nicht an Sony. Eine Ausnahme bilden nur die Four-Thirds-Hersteller: An eine Four-Thirds-Kamera passen die Objektive von Olympus, Panasonic und Leica, weil diese Hersteller sich auf eine Anschlusstechnik geeinigt haben.

Bei APS-C-Kameras bindest du dich stärker an den Hersteller. Bei einem Wechsel musst du auch die Objektive wechseln.

Spiegelreflex- oder Systemkamera ohne Spiegel? APS-C oder Four Thirds?

Persönlich greife ich lieber zu einer kleinen und unauffälligen Kamera. Die Mankos und Vorteile von Spiegelreflexkameras kannst du hier nachlesen.

Four Thirds-Kameras sind kompakt und sehen edel aus, aber ihre Objektive sind leider nicht gerade preiswert. Du kannst dir deine Kamera nach Geldbeutel und Handgefühl zulegen: Probier aus, wie die Kamera in der Hand liegt.

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