Vor- und Nachteile der Four-Thirds-Kamera

Kompakter als Spiegelreflex mit großem Sensor

Four-Thirds steht für einen Sensor, der etwas kleiner (~30-40%) als der Sensor der APS-C-Spiegelreflexkamera ist, aber etwa 9 x größer als der Sensor der Kompaktkameras.

Four-Thirds-Kameras sind kompakter als die klassische Spiegelreflexkamera, vor allem, wenn sie als Systemkamera ohne Spiegel konstruiert ist, und als Systemkamera sind sie kaum größer als eine Kompaktkamera.

Vor allem aber bieten sie eine schöne Palette von Objektiven, die an die Kameras von mehreren Kameraherstellern passen.

Four Thirds-Kameras – Unterschied zur klassischen SLR Spiegelreflexkamera

Speziell für die Digitalfotografie entwickelt

Four-Thirds ist ein Standard, der von Olympus und Kodak entwickelt wurde, und bei dem die Objektive zwischen verschiedenen Herstellern austauschbar sind. Bei herkömmlichen Spiegelreflexkameras ist der Fotograf an die Objektive für seine Nikon, Canon oder Sony gebunden – natürlich gibt es auch die Objektive von Sigma, Tamron und Tokina, aber ein Objektiv für eine Canon passt nicht an und zu einer Nikon. Auch Adapter bringen keine volle Abhilfe, denn ein Objektivanschluss ist mehr als ein Gewinde: Am Objektivanschluss liegen die Informationen, die zwischen Kamera und Objektiv ausgetauscht werden.

Das Four-Thirds-System ist von Grund auf digital, während die digitale Spiegelreflexkamera eine Weiterentwicklung der analogen Spiegelreflexkamera ist.

Four-Thirds system – Wikipedia

Der etwas kleinere Sensor macht nicht nur die Kamera kleiner und leichter, sondern auch die Objektive, und macht die Konstruktion lichtstarker Objektive einfacher.

  • Die Kamera kann kompakter gebaut werden, das Objektiv rückt näher an den Sensor.
  • Das scheinbar »altmodische« Format des Sensors hat seine Vorteile: Ohne große Verluste lassen sich ein 3:2, ein 16:9 und selbst ein quadratisches Bildformat im Seitenverhältnis 1:1 gewinnen.
  • Der Four-Thirds-Standard fordert nicht nur eine bestimmte Senorgröße und -bauweise, sondern »nahezu« telezentrische Objektive. Bei telezentrischen Objektiven fällt das Licht senkrechter auf die Mikrolinsen des Sensors, so dass die Lichtausbeute des Sensors verbessert wird.
Four Thirds-Sensor im Vergleich zum APS-C-Sensor Canon
Der Sensor der Four-Thirds-Kamera mit den verschiedenen Bildformaten – rechts im Vergleich zum Sensor der Canon EOS 60D.

Micro Four-Thirds: Der Spiegel schlägt nicht zu

Systemkamera im Four-Thirds-Format: Micro Four-Thirds nutzt den Four-Thirds-Sensor, aber der Spiegel entfällt. Wie bei Kompaktkameras ist der Fotograf damit auf die Live-Vorschau auf dem Display bzw. einem elektronischen Sucher angewiesen, aber die Kamera kann noch einmal deutlich kompakter gebaut werden. Die Objektive der Four-Thirds-SLRs können an Micro Four-Thirds-Kamera benutzt werden, allerdings kann es sein, dass einige Funktionen der Objektive nicht nutzbar sind.

Die Kamera wird noch einmal kompakter, die Objektive kommen noch näher an den Sensor und können lichtstark, weitwinklig und gleichzeitig besonders kompakt gebaut werden. Je kleiner das »Auflagenmaß«, die Entfernung von der Auflage des Objektivs auf dem Gehäuse bis zum Sensor, desto einfacher wird die Konstruktion von Objektiven, vor allem von lichtstarken Objektiven.

Scharfstellen mit der Kontrast-Erkennung ist kein Manko

Eine Kamera ohne Spiegel ist auf einen Autofokus mit Kontrast-Entdeckung angewiesen. Bis vor ein paar Jahren war die Auslöseverzögerung des Kameras mit einer Kontrast-Entdeckung noch ein Thema – der Autofokus mit Kontrast-Entdeckung war langsamer als die Phasen-Entdeckung der Spiegelreflexkameras. Heute kann sich die Auslöseverzögerung, die man bei Kameras ohne Phasen-Autofokus vermutet, durchaus mit der Auslöseverzögerung der SLR messen (Mankos der Spiegelreflexkamera).

Aber der Phasen-Autofokus ist unzuverlässig, seitdem die Hersteller die Geschwindigkeit des Autofokus über das exakte Fokussieren gesetzt haben. Auch wenn der Kontrast-Autofokus in der Vergangenheit langsamer war, war das Scharfstellen mit einem Kontrast-Autofokus immer zuverlässiger. Und in Punkto Auslösegeschwindigkeit darf man nicht auf die Idee kommen, den lahmenden Live-Preview der Spiegelreflexkamera zum Vergleich herzunehmen.

Phasen- gegen Kontrast-Autofokus – Scharf gestellt – COLORFOTO .

Bokeh der Four-Thirds-Kameras

Für viele Fotografen ist das Bokeh – die Unschärfe hinter und vor dem fokussieren Motiv – ein Grund, doch lieber zur APS-C-Kamera zu greifen.

Der Unterschied beträgt etwa 1EV bis 2EV, d.h., wenn die Blende am Objektiv der Four-Thirds-Kamera um einen Blendenschritt größer ist, erreicht das Foto etwa dasselbe Bokeh.

Unscharfer Hintergrund APS-C
Bokeh APS-C-Sensor bei Blende F/2.8
Unscharfer Hintergrund Four-Thirds
Bokeh Four-Thirds-Sensor bei Blende F/2

Entweder eine um einen Schritt größere Blende mit der Four-Thirds-Kamera oder ein paar Schritte zurück und eine längere Brennweite einsetzen, um an die gewünschte Unschärfe hinter dem Motiv zu kommen: Für das Four-Thirds-System werden sehr gute Objektiv zu erschwinglichen Preisen angeboten.

Die kleinere Bauweise macht die hervorragenden Objektive preiswert und lichtstarke Objektive ausgesprochen kompakt. Der Cropfaktor von 2 macht den Rest …

Objektive für Four-Thirds

Die Garde der Four-Thirds-Kameras wurde von Olympus mit der EP- und von Panasonic mit der Lumix GF-Serie angeführt. Als besonders namhafter Vertreter der Objektive für Four-Thirds-Kameras kommt noch Leica hinzu. Diese drei Hersteller haben sich auf einen Objektiv-Anschluss geeinigt, so dass ein breites Angebot von Objektiven zur Verfügung steht.

Das Angebot an Wechselobjektiven ist zwar schnell gewachsen, aber die Preise für die kleinen Objektive sind relativ hoch – hier haben wir die hochwertigen Marken Leica, Olympus und Panaosonic. Um die Preise mit den Objektiven von Vollformat- und APS-C-Kameras zu vergleichen, müsste man schon die Objektive von Zeiss hinzuziehen.

Eine Kamera ohne optischen Sucher?

Ohne optischen Sucher brauchen Four-Thirds ein hoch auflösendes Display und ggf. einen ebenfalls hoch auflösenden elektronischen Sucher. Der optische Sucher der Spiegelreflexkamera lebt – genauso wie der Phasen-Autofokus – vom Marketing: Der Sucher ist ein kleiner Tunnel. Der Live-View kann Informationen zur Aufnahme einspielen, die der Sucher nicht zu bieten hat: Histogramm, Wasserwaage, Überbelichtungswarnung.

Optischer Suche SLR
Der optische Sucher der Spiegelreflexkameras ist im Finstern und bei hellstem Sonnenschein nicht zu ersetzten. Der elektronische Sucher der Panasonic schafft zwar Abhilfe, aber ist kein vollwertiger Ersatz für einen optischen Sucher..

Die Zielgruppe der Four-Thirds-Kameras

Es sind eher die erfahrenen Fotografen mit einer ausgeklügelten Ausrüstung, die sich eine Immer dabei-Kamera mit einem (ziemlich) großen Sensor und der Option auf Wechselobjektive wünschen. Sie achten auf das Angebot der Objektive von drei namhaften Kameraherstellern – Olympus, Leica und Panasonic.

Mit einer Schärfentiefe, die eine Blende länger ist als die Schärfentiefe der größeren APS-C- Sensoren, sind Four-Thirds-Kameras perfekt für die Architektur- und Landschaftsfotografie. Nicht so klotzig, kleiner, edler im Gewand erzeugen sie keine Abwehr bei der Straßenfotografie: Also nicht nur Urlaubsfotos – Four-Thirds sind hervorragende Begleiter auf dem Markt, in nächtlichen Straßen und bei Open Air-Konzerten.

Als kompakte Zweitkamera für den Fotografen mit einer APS-C-Kamera liegt Four-Thirds zu nah am APS-C-Format.

Aber für Fotografen mit einer Vollformat-SLR ist eine kompakte Four-Thirds ohne Spiegel eine echte Alternative für Ausflüge und Events.

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