Welches Objektiv: Brennweite und Lichtstärke

Wenn wir durch antike Städte pilgern oder die Bergspitze erreichen, ist kein Weitwinkelobjektiv weit genug. Für den kreisenden Adler würden wir die Profikamera gegen eine Kompaktkamera mit dem Superzoom eintauschen. Bei der Safari muss das Objektiv ein Supertele sein, damit wir nicht zum Fraß für den Löwen werden. So wichtig wie PS und Hubraum beim Auto sind beim Objektiv Lichtstärke und Brennweite.

Objektiv aussuchen: Teleobjektiv, Weitwinkel, Festbrennweite oder Superzoom?

Die Entscheidung für das richtige Objektiv

Wie groß das Objektiv einen kleinen Vogel ins Bild setzen kann oder wieviel Landschaft nach rechts und links im Foto zu sehen ist, hängt von der Brennweite des Objektivs ab: Brennweiten ändern den Bildausschnitt.

Die Brennweite erscheint auf den ersten Blick als wichtigstes Kennzeichen des Objektivs und wird in Millimetern angegeben. Kompakt- oder Bridgekameras belästigen den Fotografen nicht mit Millimetern, sondern kennzeichnen ihre Objektive mit 4-fach Zoom oder 30-fach-Zoom, die Objektive der Spiegelreflex- und Systemkameras gravieren die Brennweite in Millimetern aufs Objektiv.

Objektiv: Weitwinkel vs Teleobjektiv

Die Wahl eines neuen Objektivs reißt jeden Fotografen hin und her zwischen dem Preis, der Größe und dem Gewicht, zwischen Gestaltungswünschen und der Bildqualität. Obendrein ist die Lichtstärke – die Größe der Anfangsblende – mindestens genauso wichtig.

  • Je größer die Brennweite, desto größer wird das Motiv abgebildet. Je kleiner die Brennweite, umso mehr passt ins Bild.
  • Je lichtstärker das Objektiv, um so höher die Qualität auch bei schwachem Licht und um so größer die kreative Freiheit.

Brennweiten auf dem Zoomring

Auf dem Zoomring des Wechselobjektivs sind die Brennweiten aufgetragen. Aber wer schaut schon auf die Zahlen? Der Bildausschnitt zählt.

Kompakt- und Bridgekameras zeigen beim Zoomen eine Skala mit einem Strich für die Normalbrennweite oder der Schieber für den Zoom zeigt die ungefähre Normalbrennweite an.

objektiv-mit-brennweitenring
Wechselobjekt mit Brennweitenskala
Anzeige der Brennweite an Kompaktkamera / Bridgekamera
Kompaktkameras geben einen Anhaltspunkt auf dem Display oder anhand der Stellung des Zoomhebels.

Bei Brennweiten punktet nicht einfach die höhere Zahl, denn die vergrößernde Wirkung der Brennweite basiert auf der Sensorgröße. Kleine Sensoren holen mit 50 mm den Spatz vom Dach, große Sensoren lichten bei 50 mm gleich das ganze Dach ab.

Auf dem Objektiv sind immer zwei Kenngrößen eingraviert: Brennweite und größte Blende.

Bezeichnung Einsatz APS-C Four Thirds One Kompaktkamera
Normalbrennweite Dokumentation, natürlicher Charakter ~ 30 mm ~ 25 mm ~ 18 mm ~ 10 mm
Weitwinkelobjektiv Landschaft, Architektur ~ 20 mm ~ 15 mm ~ 12 mm ~ 6 mm
kleines Teleobjektiv Porträt ab 70 mm ab 60 mm ab 30 mm ab 20 mm
Teleobjektiv bis Supertele Sport ab 200 mm ab 150 mm ab 100 mm ab 60 mm
Die Brennweite von Teleobjektiven ist größer als die Normalbrennweite, die Brennweite von Weitwinkelobjektiven ist kleiner.

Wechselobjektive für Spiegelreflexkamera und Systemkamera

In den meisten Fällen wird die Entscheidung bei einem neuen Objektiv – vor allem beim ersten Objektiv – auf ein Zoom-Objektiv fallen. Anders als Bridgekameras und Kompaktkameras haben die Wechselobjektive von Spiegelreflex- und Systemkameras meist nur einen 3- bis 4-fachen Zoombereich.

Heute gibt es es allerdings auch Wechselobjektive mit einem 10-fach-Zoom und mehr, die sich durchaus wahre Allround-Objektive nennen dürfen, und dabei klein und leicht bleiben.

superzoom-objektive
Tamron Ultra-Tele-Megazoom 18-400mm F/3.5-6.3 Di II VC HLD Objektiv für Canon schwarz
Sigma 18-250 mm F3,5-6,3 DC Macro OS HSM Objektiv
Sony SAL55300, Universal-Tele-Zoom-Objektiv (55-300 mm, F4,5-5,6 SAM)

Müssen wir tatsächlich Qualitätsabstriche bei preiswerten Zoomobjektiven in Kauf nehmen? Die jüngere Generation von Allround-Objektiven kann zwar eine bemerkenswerte Qualität vorweisen, aber die Abstriche liegen in der Lichtstärke.

Bei den großen Brennweiten muss die Belichtungszeit deutlich kürzer sein als bei moderaten Brennweiten, damit die Aufnahmen nicht verwackeln. Für die Tour durch das schottische Hochland bei gutem Wetter bringen die Superzooms helle Freude, aber für Sport an bedeckten Tagen oder gar in der Halle brauchen sie hohe ISO-Einstellungen für die extrem kurzen Belichtungszeiten.

Wer auf der Suche nach einem Superzoom ist, sollte sich neben Brennweitenbereich und Blende die Abkürzungen der Objektive ansehen.

Superzooms sollten einen schnellen Motor haben, damit sie schnell und sicher scharfstellen.

Was ist die Brennweite?

Technisch gesehen ist die Brennweite der Abstand vom optischen Zentrum der Linse zum Sensor der Kamera. Damit können Physiker und Mathematiker viel anfangen, wer sich fragt, welches Objektiv für ihn das Beste wäre, wird von der technischen Definition nicht klüger.

Heute sind die meisten Objektive Zoom-Objektive, die nicht auf eine Brennweite festgelegt sind, sondern z.B. in einem Bereich von von 18 - 55 mm benutzt werden können.

Beim analogen Film und beim Vollformatsensor wird eine Brennweite von 50 mm als Normalbrennweite bezeichnet.

Beim Blick durch eine kleinere Brennweite erscheint alles in der Umgebung weiter entfernt, beim Blick durch eine große Brennweite rückt alles näher heran.

Weitwinkelobjektive

Landschafts- und Architekturfotografie sind die Sphäre der Weitwinkelfotografie, weil man so viel ins Bild setzen kann. Auch für große Gruppen und kleine Feinern in Wohnräumen ist eine kleine Brennweite ein Faktor. Ohne ein Weitwinkelobjektiv müssen wir einen großen Abstand zur Gruppe halten und bekommen von der Geburtstagsfeier nur nur Onkel Paul oder Cousine Marion ins Foto, aber nicht beide.

Weitwinkel mit ihren kleinen Brennweiten bringen Tiefe und starke Perspektiven ins Spiel, weil sie nahe Objekte überproportional groß ins Bild setzen und den Hintergrund stark verkleinern.

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Straßenfotografie ist ebenfalls ein Fall für die kleinen Brennweiten, denn auch hier soll die Umgebung eingefangen werden.

Für Porträts sind Weitwinkel nicht unbedingt das Richtige – obwohl Porträts mit einem leichten Weitwinkel sehr plastisch wirken.

Teleobjektive

Teleobjektiv kommen nah ans Motiv, setzen den Fußballer und scheue Rehe groß ins Bild. Aber nicht nur aus solch banal praktischen Gesichtspunkten sind große Brennweiten beliebt.

Sie komprimieren die Szene, holen das Motiv näher zum Betrachter und den Hintergrund näher ans Motiv. Gleichzeitig erscheint der Hintergrund weicher, das Motiv setzt sich besser vom Hintergrund ab.

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Weil Teleobjektive weniger Umgebung zeigen, wirken Fotos mit großen Brennweiten ruhiger, die Bildgestaltung ist einfacher. Moderat große Brennweiten sind perfekt für gefällige Porträts, denn auch Gesichter verflachen: Oh, weniger Falten, die Augen liegen weniger tief unter den Augenbrauen, Augenringe verschwinden … Alles was die Werbung von Cremes verspricht, zaubert ein kleines Teleobjektiv.

Teleobjektive haben auch Schattenseiten: Aufnahmen mit großen Brennweiten verwackeln schneller und brauchen darum kürzere Belichtungszeiten. Der Bildstabilisator eröffnet heute zwar deutlich längere Belichtungszeiten ohne Verwackeln, aber ein Allheilmittel ist auch der Verwacklungsschutz nicht. Große Brennweiten mit großen Blenden sind groß, schwer und außerordentlich teuer.

Festbrennweite

Es mag zwar unbequem wirken, dass man zum Motiv laufen muss, um es größer ins Bild zu setzen, und eine ordentliche Strecke zurücklaufen muss, um möglichst viel ins Bild zu setzen, aber Festbrennweiten (Objektive mit einer festen Brennweite, die nicht zoomen) haben ihren eigenen Reiz.

Zum einen sind sie kleiner und leichter als Zoomobjektive, auf der anderen Seite reizen sie mit großen Blenden, der anderen besonders wichtigen Kenngröße von Objektiven. Große Blenden gewähren uns Fotos ohne Blitz und ohne hohe ISO-Einstellungen bei schwierigem Licht und erzielen bei kleineren Blenden eine besonders feine Schärfe und brillante Farben.

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20 mm Festbrennweite an Four Thirds – ein Normalobjektiv
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50 mm Festbrennweite an APS-C – ein kleines Weitwinkel

Die Normalbrennweite ist eher dokumentarisch und bringt von sich aus nur wenig räumliche Effekte. Da muss die Bildgestaltung kräftig eingreifen – durch Stapeln und Überlappen, Linienführung und Kontraste.

Seit den Anfängen der Fotografie als Volkshobby ist das 50 mm-Objektiv besonders beliebt: Es ist die preiswerteste unter den Festbrennweiten und offenbart den natürlichsten Charakter. An einer APS-C-Kamera gelten 50 mm auch als schönes Porträtobjektiv.

Festbrennweite vs. Zoomobjektiv

In 99% aller Fälle wird es ein Zoomobjektiv. Zoomobjektive geben einen größeren kreativen Freiraum, der kritische Objektivwechsel fällt seltener an.

Das soll nun aber nicht heißen, dass die Laufarbeit entfällt. Der Wechsel von Perspektive und Standpunkt ist das Tor zur Bildkomposition.

Warum sollte man sich da für eine Festbrennweite entscheiden? Festbrennweiten werden auch als Prime Lens bezeichnet, denn sie bieten die höhere Bildqualität zum kleineren Preis, sie sind leichter und kleiner. Ihr PLus ist eine große Offenblende, meist Blende F2, F1.8 oder größer.

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