Brennweite und Perspektive

Zoomen vergrößert, Weitwinkel betont

Das Heranzoomen eines Motivs vergrößert das Motiv. Der optische Zoom mit der Brennweite des Objektiv ist eine Ausschnittsvergrößerung in bester Qualität – nicht mehr und nicht weniger.

Eine größere Brennweite ändert die Bildkomposition nicht – allenfalls kann das Heranzoomen des Motivs den Ausschnitt besser konzentrieren. Die kleinere Brennweite bringt mehr Umgebung ins Bild.

Das Zoomobjektiv richtig nutzen
Weit weg und rangezoomt, nah ran und rausgezoomt: die Brennweite bewußt zur Bildgestaltung einsetzen.

Brennweite und Zoom

Zoomobjektive ersparen einen Koffer voller Objektive und den Wechsel, bei dem schnell Staub auf den Sensor gelangen kann.

So stehen wir dann vor dem Motiv und können uns nicht entscheiden: viel von der Umgebung zeigen oder lieber Details nah heranholen?

Blick über Frankfurt, Weitwinkel
Je kleiner die Brennweite, desto größer ist der Bildwinkel und um so geringer ist die Vergrößerung.
Blick für Frankfurt, Tele
Je größer die Brennweite, desto enger ist der Bildausschnitt und um so mehr vergrößert sie das Motiv.

Die Brennweite und der Brennweitenbereich (Zoom) sind die ersten Kenngrößen eines Objektivs, auf die wir einen Blick werfen und die bei der Wahl eines neuen Objektivs die größte Rolle spielen.

Zwei Charakteristika der Brennweite zählen beim Fotografen besonders: die Vergrößerung und der Bildwinkel.

weitwinkel-DSC04453
Brennweite 28 mm (APS-C): Nah ans Motiv
tele-DSC04452
Brennweite 75 mm: Zurückgehen, um das Motiv ins den Ausschnitt einzupassen.

Eine größere Brennweite liefert einen höheren Vergrößerungsfaktor. Weitwinkelobjektive mit kleinen Brennweiten verkleinern das Motiv und der Fotograf muss nah an das Objekt, um ihm eine Bedeutung im Bild zu geben.

Das heißt aber auch, das große Objekte in den Bildausschnitt passen, bei denen der Fotograf mit dem Teleobjektiv einen weit entfernen Standpunkt suchen müsste.

Zoomen: Nicht mehr als ein Bildausschnitt

Das wichtigste Zubehör für die Bildgestaltung und Bildkomposition sind gute Laufschuhe. Das Ändern des Standpunkts ändert die Perspektive und kann Unwesentliches oder Störendes ausblenden oder wichtige Elemente zusammen ins Bild setzen.

Der optische Zoom vergrößert oder verkleinert die Brennweite und wirkt nicht anders als ein Fernglas.

Der Bildaufbau ändert sich bei einer größeren Brennweite nicht, aber die größere Brennweite verkleinert den Bildausschnitt. Wir sehen immer weniger von der Umgebung: Der Bildwinkel wird kleiner.

Die größere Brennweite vergrößert das Motiv

Die größere Brennweite verkleinert den Bildausschnitt

Brennweite und Standpunkt

Gehen wir beim Zoomen ein paar Schnitte zurück und setzen das Motiv durch eine größere Brennweite in gleicher Größe ins Bild, ändert sich die Bildgestaltung.

Der Hintergrund rückt näher an das Motiv.

Beim Fotografieren entstehen einzelne Bilder und dieser Effekt ist uns nicht so schnell bewusst. Im Film kennen wir diesen Effekt als Dolly-Zoom – berühmt durch Hichcocks Film »Vertico«.

Brennweite und der Abbildungsgröße bestimmen Nähe und Distanz im Foto. Die Werbefotografie nutzt diese fotografischen Effekte intensiv: Der Swimmingpool vor dem Hotel wirkt mit einer kleinen Brennweite größer, der Weg vom Hotel zum Strand wirkt mit einer großen Brennweite kürzer.


Darum sagt man auch

»Lange Brennweiten verkürzen die Entfernung«

»Kleine Brennweiten vergrößern die Entfernung«

Wenn das Motiv mit einer kleineren Brennweite in derselben Größe abgebildet wird, entsteht bei kleinen Brennweiten ein Größenkontrast. Das Motiv wirkt jetzt insgesamt größer und hebt sich schon aufgrund seiner Größe vom Hintergrund ab.

Große Brennweiten und weicher Hintergrund

Wenn das Motiv mit einer großen Bennweite aus großer Entfernung wieder in derselben Größe im Foto abgebildet wird, erscheint der Hintergrund auch bei mittleren und relativ kleinen Blenden nicht mehr so scharf wie das das Motiv.

In der Sportfotografie beginnt das Bokeh, der weiche Hintergrund, gleich hinter dem Stürmer. Hier trennt die Unschärfe das Motiv vom Hintergrund.


Tatsächlich ist die Abbildungsgröße für die Unschärfe hinter dem Motiv verantwortlich, und nicht die Brennweite.

Mit einer kleinen Schärfentiefen-Tabelle lässt sich das nachprüfen:

Brennweite35 mm50 mm90 mm170 mm
Abstand zum Motiv3 m4,5 m8 m15 m
Schärfentiefe von bis2,4 bis 4 m3,4 bis 4,87,4 bis 8,9 m14,2 bis 15,9 m
Ausdehnung der Schärfentiefe1,6 m1,4 m1,5 m1,7 m

Die Schärfentiefe ist bei kleinen und großen Brennweiten nahezu gleich, wenn das Motiv in derselben Größe ins Bild gesetzt wird.

Die Vergrößerung durch die lange Brennweite läßt den Hintergrund bei langen Brennweiten und größerer Entfernung vom Motiv unschärfer erscheinen.

Kleine Brennweite: schärferer Hintergrund
Kleine Brennweite: Der Hintergrund ist nur leicht aufgelöst
Große Brennweite: unscharfer Hintergrund
Große Brennweite: Der Hintergrund erscheint weicher – dafür ist die Vergrößerung des Hintergrunds bei der großen Brennweite verantwortlich.

Kompliziert? Egal: Wer einen unscharfen Hintergrund ins Bild setzen möchte, hält besser mehr Abstand und zoomt das Motiv heran. Das bringt mehr Unschärfe in den Hintergrund als ein teures lichtstarkes Objektiv mit einer größeren Anfangsblende.

Porträt mit kleiner Brennweite
Porträts aus der Nähe mit kleiner Brennweite – dem Weitwinkel – verzerren die Proportionen.
Porträt mit großer Brennweite
Porträts gewinnen durch eine leichte Telebrennweite. Bei der APS-C-Kamera liegen die gefälligen Brennweiten für Porträts zwischen 40 bis 100 mm (wie auf dem Objektiv eingraviert).

Damit das Foto vom alltäglichen Motiv aus dem Rahmen fällt und würdig für einen Platz an der Wand, reicht schon die Bildgestaltung mit der Brennweite und dem Standpunkt.

Es muss weder die teure Kamera sein noch das teure Objektiv: Es lohnt sich, die guten Seiten seiner Objektive auszuloten und natürlich auch den eigenen Geschmack: Bin ich ein Tele- oder ein Weitwinkelfotograf?

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28 mm 75 mm 1,6 m 1,4 m 1,5 m 1,7 m 2,4 m 3,4 m 7,4 m 14,2 m 4 m 4,8 m 8,9 m 15,9 m