Das Teleobjekt vergrößert, das Weitwinkel zeigt viel
Das Heranzoomen eines Motivs vergrößert das Motiv. Der optische Zoom mit der Brennweite des Objektiv ist eine Ausschnittsvergrößerung in bester Qualität – nicht mehr und nicht weniger.
Eine größere Brennweite ändert die Bildkomposition nicht – allenfalls kann das Heranzoomen des Motivs den Ausschnitt besser konzentrieren. Die kleinere Brennweite bringt mehr Umgebung ins Bild.
Brennweite und Zoom
Zoomobjektive sind nicht auf eine Brennweite festgelegt, sondern umfassen einen Brennweitenbereich, z.B. von 15 bis 30 mm für die Landschaftsfotografie und von 70 bis 200 mm für die Sportfotografie. Sie ersparen einen Koffer voller Objektive und den Wechsel, bei dem schnell Staub auf den Sensor gelangen kann. So stehen wir dann vor dem Motiv und können uns nicht entscheiden: viel von der Umgebung zeigen oder lieber Details nah heranholen?


Die Brennweite und der Brennweitenbereich (Zoom) sind die ersten Kenngrößen eines Objektivs, auf die wir einen Blick werfen und die bei der Wahl eines neuen Objektivs die größte Rolle spielen. Zwei Charakteristika der Brennweite zählen beim Fotografen besonders: die Vergrößerung und der Bildwinkel.


Eine größere Brennweite liefert einen höheren Vergrößerungsfaktor. Weitwinkelobjektive mit kleinen Brennweiten verkleinern das Motiv und der Fotograf muss nah an das Objekt, um ihm eine Bedeutung im Bild zu geben.
Das heißt aber auch, das große Objekte in den Bildausschnitt passen, bei denen der Fotograf mit dem Teleobjektiv einen weit entfernen Standpunkt suchen müsste.
Zoomen: Nicht mehr als ein Bildausschnitt
Das wichtigste Zubehör für die Bildgestaltung und Bildkomposition sind gute Laufschuhe. Das Ändern des Standpunkts ändert die Perspektive und kann Unwesentliches oder Störendes ausblenden oder wichtige Elemente zusammen ins Bild setzen.
Der optische Zoom vergrößert oder verkleinert die Brennweite und wirkt nicht anders als ein Fernglas.
Der Bildaufbau ändert sich bei einer größeren Brennweite nicht, aber die größere Brennweite verkleinert den Bildausschnitt. Wir sehen immer weniger von der Umgebung: Der Bildwinkel wird kleiner.
Die größere Brennweite vergrößert das Motiv
Die größere Brennweite verkleinert den Bildausschnitt
Brennweite und Standpunkt
Gehen wir beim Zoomen ein paar Schnitte zurück und setzen das Motiv durch eine größere Brennweite in gleicher Größe ins Bild, ändert sich die Bildgestaltung.
Der Hintergrund rückt näher an das Motiv.
Beim Fotografieren entstehen einzelne Bilder und dieser Effekt ist uns nicht so schnell bewusst. Im Film kennen wir diesen Effekt als Dolly-Zoom – berühmt durch Hichcocks Film »Vertico«.
Brennweite und der Abbildungsgröße bestimmen Nähe und Distanz im Foto. Die Werbefotografie nutzt diese fotografischen Effekte intensiv: Der Swimmingpool vor dem Hotel wirkt mit einer kleinen Brennweite größer, der Weg vom Hotel zum Strand wirkt mit einer großen Brennweite kürzer.
Darum sagt man auch
»Lange Brennweiten verkürzen die Entfernung«
»Kleine Brennweiten vergrößern die Entfernung«
Wenn das Motiv mit einer kleineren Brennweite in derselben Größe abgebildet wird, entsteht bei kleinen Brennweiten ein Größenkontrast. Das Motiv wirkt jetzt insgesamt größer und hebt sich schon aufgrund seiner Größe vom Hintergrund ab.
Große Brennweiten und weicher Hintergrund
Wenn das Motiv mit einer großen Bennweite aus großer Entfernung wieder in derselben Größe im Foto abgebildet wird, erscheint der Hintergrund auch bei mittleren und relativ kleinen Blenden nicht mehr so scharf wie das das Motiv.
In der Sportfotografie beginnt das Bokeh, der weiche Hintergrund, gleich hinter dem Stürmer. Hier trennt die Unschärfe das Motiv vom Hintergrund.
Tatsächlich ist die Abbildungsgröße für die Unschärfe hinter dem Motiv verantwortlich, und nicht die Brennweite. Mit einer kleinen Schärfentiefen-Tabelle lässt sich das nachprüfen:
Brennweite | 35 mm | 50 mm | 90 mm | 170 mm |
---|---|---|---|---|
Abstand zum Motiv | 3 m | 4,5 m | 8 m | 15 m |
Schärfentiefe von bis | 2,4 bis 4 m | 3,4 bis 4,8 | 7,4 bis 8,9 m | 14,2 bis 15,9 m |
Ausdehnung der Schärfentiefe | 1,6 m | 1,4 m | 1,5 m | 1,7 m |
Die Schärfentiefe ist bei kleinen und großen Brennweiten nahezu gleich, wenn das Motiv in derselben Größe ins Bild gesetzt wird.
Die Vergrößerung durch die lange Brennweite läßt den Hintergrund bei langen Brennweiten und größerer Entfernung vom Motiv unschärfer erscheinen.


Kompliziert? Egal: Wer einen unscharfen Hintergrund ins Bild setzen möchte, hält besser mehr Abstand und zoomt das Motiv heran. Das bringt mehr Unschärfe in den Hintergrund als ein teures lichtstarkes Objektiv mit einer größeren Anfangsblende.


Damit das Foto vom alltäglichen Motiv aus dem Rahmen fällt und würdig für einen Platz an der Wand, reicht schon die Bildgestaltung mit der Brennweite und dem Standpunkt.
Es muss weder die teure Kamera sein noch das teure Objektiv: Es lohnt sich, die guten Seiten seiner Objektive auszuloten und natürlich auch den eigenen Geschmack: Bin ich ein Tele- oder ein Weitwinkelfotograf?