Fotografieren mit dem Blitz

Wir haben hier die wichtigsten Fragen der Fotokurs-Teilnehmer zum »Blitzen auf Messen, in Meetingräumen und bei Firmenfeiern« zusammengefasst.

ÖÖÖ

1. Aufnahmen planen

Für das Fotografieren in geschlossenen – meist engen – Räumen bei wenig Licht oder sogar bei reinem Kunstlicht ist der optiomale Standort des Fotografen ein wichtiger Faktor.

Es lohnt sich immer, den Raum vor dem Meeting oder dem Event zu inspizieren. Probeaufnahmen gehören mit zur Planung.

2. Die Reichweite des Blitzlichts

Ein externer Blitz ist nötig, um mehr als die zwei bis vier Meter zu überbrücken, die der Einbaublitz einer digitalen Spiegelreflexkamera aufhellen kann. Der Blitz an der Kompaktkamera hat erst einmal keine Chance – seine Leitzahl ist zu klein. Die Leitzahl ist das Maß für die Reichweite des Blitzes.

  • Bei Kompaktkameras hat der Blitz meist Leitzahl 7,
  • bei Spiegelreflex- und Systemkameras etwa 12 bis 15.
  • Ein externer Blitz erreicht Leitzahl 36 bis 60.

Als Daumenregel kann man die Leitzahl des Blitz durch 4 teilen, um die Entfernung in Metern abzuschätzen, die der Blitz noch aufhellt.

Bei doppelter Entfernung wird der Blitz um den Faktor 4 schwächer. Die ausgeleuchtete Fläche wird vier mal so groß.

Aber diese Daumenregel geht von Blende F/4 aus – aber wenn ein mittelgroßer Raum zu überbrücken ist, muss meist schon Blende F/8 für die nötige Schärfentiefe sorgen. Ein höherer ISO-Wert gleicht die kleine Blende aus und vergrößert die Reichweite des Blitzes.

3. Blitzen mit hohen ISO-Einstellungen

Blitzlicht und eine hohe ISO-Einstellung ergänzen einander gut.

Eine hohe ISO-Einstellung vergrößert die Reichweite des Blitzes, der Blitz wiederum verhindert das starke Rauschen, dass bei Fotos in dunkler Umgebung bei hohen ISO-Werten entsteht.

Beim Fotografieren auf Veranstaltungen, auf Meetings und Festen ist das wichtigste, scharfe Fotos mitzubringen – das Rauschen bei hohen ISO-Werten fällt dem Betrachter viel weniger ins Auge aus unscharfe Fotos.

Da meist eine mittlere bis kleine Blende eingesetzt werden muss, muss die ISO-Einstellung hoch genug für kurze Belichtungszeiten sein (ca. 1/100 bis 1/150 sek, um Bewegung scharf einzufangen). Ein guter Ausgangswert für die Belichtungszeit ist 1/150 sek. Das ist eine Belichtungszeit, bei der auch der Einbaublitz noch zündet. Bei kürzeren Belichtungszeiten steht die Blitzsynchronzeit dem Einbaublitz im Weg.

4. Master-Slave-Blitzen und entfesselter Blitz oder Wireless

Als Master-Slave wird eine Kombination aus erstem und zweiten Blitz bezeichnet. Der Slave sitzt nicht auf der Kamera, sondern z.B. auf einem Stativ seitlicht vom Fotografen. So ist das Blitzlicht weniger gerichtet und erzeugt einen weniger harten Blitzschatten. Ein entfesselter Blitz braucht dazu nicht einmal ein Kabel. Dieses Kunststück beherrscht z.B. die Konika-Minolta: Sie kann einen externen Blitz mit ihrem Einbaublitz auslösen. Das Stichwort ist »Wireless-Blitzen« und heißt heute WL-Blitzen (Wireless) bei Sony.

Master Slave Blitz
Beim Master-Slave-Blitzen löst der interne Blitz den externen Slave-Blitz aus.

Heute können viele Kameras einen externen Blitz über den Einbaublitz auslösen. Das erspart eine teure Blitzlicht-Ausrüstung mit einem Master- und einem Slave-Blitz.

  • Sony hat das Master-Slave-Blitzen mit dem Einbaublitz bereits von der Konica-Minolta geerbt, so dass alle Sony-Alpha-Kameras mit dem Einbaublitz einen externen Blitz zünden können (falls der externe WL-Blitzen unterstützt).
  • Bei Nikon gibt es Master-Slave-Blitzen oder den »entfesselten Blitz« mit voller TTL-Unterstützung an der D90, D7000, D300, D300s und D700.

5. Blitzen auf den ersten Vorhang, Blitzen auf den zweiten Vorhang

Der Blitz leuchtet nur während einer extrem kurzen Zeit innerhalb der kurzen Belichtungszeit auf.

  • Der Blitz auf den ersten Vorhang zündet, wenn der Verschluss geöffnet wird.
  • Der Blitz auf den zweiten Vorhang zündet ganz kurz bevor der Verschluss geschlossen wird.

Beim Blitz auf den ersten Vorhang zeigt sich eine Bewegungsunschärfe vor dem Motiv. Das sieht ausgesprochen unnatürlich aus.

Beim Blitz auf den zweiten Vorhang sehen wir eine Bewegungsunschärfe hinter dem Motiv. Das kommt unserem Verständnis besser entgegen.

Bewegungunschärfe beim Blitz auf den 1. Vorhang (Slow Sync) und auf den 2. Vorhang (REAR)

Warum gibt es dann überhaupt einen Blitz auf den ersten Vorhang?

Der Blitz auf den ersten Vorhang ist das ältere und einfachere System und funktioniert mit allen Blitzgeräten. Wenn sich in der Szene nichts bewegt – also z.B. in der Produktfotografie – ist es egal, wann der Blitz zündet: Bewegungsunschärfe kann nicht entstehen.


Der Blitz sendet immer einen Vorblitz aus, der das fokussierte Motiv misst. Beim Blitz auf den ersten Vorhang kommt der Vorblitz und zack – schon zündet der »richtige« Blitz. Beim Blitz auf den zweiten Vorhang sendet die Kamera auch zuerst einen Vorblitz, dann öffnet sie den Vorhang, belichtet … belichtet … belichtet … und jetzt erst zündet der Blitz kurz vor dem Schließen des Vorhangs. Die Fotografierten haben den kleinen Vorblitz vielleicht bemerkt, denken: Das war's und bewegen sich.

Darum ist die Voreinstellung für den Blitz immer der erste Vorhang: Für den unerfahrenen Fotografen ist diese Methode sicherer. Wenn wir den Blitz auf den zweiten Vorhang wählen, sollten wir die Fotografierten darauf aufmerksam machen, dass die Belichtungszeit etwas länger wird als der Blitz verspricht.

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