Weißabgleich: Wenn die Farben falsch aussehen

Wenn die Farben im Foto einfach falsch aussehen, dann ist meist die Farbe des Lichts verantwortlich.

Licht hat immer eine Farbe (die »Farbtemperatur«), auch wenn wir die Farbe des Lichts kaum wahrnehmen. Am frühen Morgen überzieht ein blauer Farbstich das Foto, und auch mittags erscheint uns das Licht oft zu kalt. Nur beim Sonnenuntergang, der die Szene in ein warmes bis rötliches Licht taucht, und an düsteren Novembertagen sehen wir die Farbe des Lichts bewusst.

Wenn die Farben falsch aussehen, ist nicht unbedingt die Kamera schuld

Warme und kalte Farben: Farbtemperatur

Der Begriff der »Farbtemperatur« für die Farben des Lichts ist nicht aus der Luft gegriffen: Sir Frederick William Herschel (1738-1822) wies nach, dass unter Farbfiltern unterschiedliche Temperaturen herrschen.

Die Farbe des Lichts wird in Kelvin gemessen. Dabei liegt das warme gelbe Licht einer Glühbirne bei etwa 2700 Kelvin, bei 6500 Kelvin ist die Farbe des Lichts neutral, bei höheren Farbtemperaturen wirkt das Licht immer kühler und blauer.

Wir bevorzugen meist die etwas wärmeren Farben.

K = Kelvin 10000 K9000 K8000 K7000 K6000 K5000 K4000 K3000 K2000 K Tiefblauer Himmel (Blaue Stunde) Blauer Himmel Bewölkter Himmel Schatten Sonnenlicht Weißes Sonnenlicht Mondlicht Warmes Lampenlicht Sonnenaufgang, Sonnenuntergang Kerzenlicht Bereich des automatischen Weißabgleichs (AWB)
  • Das Licht am frühen Morgen ist blau, denn die feinen Dunsttröpfchen spiegeln den Himmel.
  • Schon gegen Mittag wird das Tageslicht warm und gelblich.
  • Am Abend beim Sonnenuntergang wird das Licht sichtbar Orange bis Rot.
  • Das Licht aus den Straßenlaternen ist grün, aber die Wohnzimmerlampe strahlt gelbes Licht aus.

Der Weißabgleich reicht von 2000 bis 10000 Kelvin und bekommt das Orange des Kerzenlichts (500 bis 1500 Kelvin) und das tiefe Blau der Blauen Stunde (12000 bis 17000 Kelvin) nicht in den Griff.

Farbtemperatur der Lichtquellen

Diese Fotos sind ohne Weißabgleich, sondern mit konstanter Farbtemperatur fotografiert.

So zeigt sich, wie sich die Farbtemperatur im Laufe des Tages ändert:

Morgenrot: violetter Farbstich

Das Morgenrot schlägt sich in einem violetten Farbstich nieder.

Kühle Farben, Farben neutral

Das Foto wirkt kühl, aber die Farben sind neutral.

Wolkiger Tag, Blaustich

Der Tag bleibt wolkig, der Blaustich ist unübersehbar.

Kunstlicht und ein Mondlicht

Kunstlicht aus dem Wohnzimmerfenster (warmes Gelb) und ein Tick Mondlicht (Grün).

Der automatische Weißabgleich der Digitalkamera

Mit dem analogen Film musste der Fotograf die Farbe des Lichts einfach hinnehmen oder zu den verschiedenen Tageszeiten den passenden Filter bereit halten oder schon von vornherein den passenden Film, denn es gab Tageslicht- und Kunstlichtfilme.

Digitale Kameras haben einen »Weißabgleich« oder »White Balance«. Der Weißabgleich neutralisiert die Farbe des Umgebungslichts, denn wir wollen fast immer neutrale Farben.


Digitalkameras führen den Weißabgleich automatisch durch. Dieser automatische Weißabgleich so gut, dass der Fotograf selten eingreifen muss. Aber es gibt immer noch Situationen, mit denen der automatische Weißabgleich der Kamera nicht klar kommt.

Wenn das Licht aus mehr als einer Lichtquelle kommt, gerät der Weißabgleich ins Schleudern.


Das passiert z.B. am frühen Morgen: Da haben wir auf der einen Seite das Sonnenlicht (auch wenn die Sonne hinter Wolken verdeckt ist) und auf der anderen Seite die kleinen Dunsttröpfchen, die den Himmel spiegeln.

Am Abend auf der Straße können wir die Farben der verschiedenen Lichtquellen sogar fotografieren: grünes Licht aus den Straßenlaternen, gelbes Licht aus den Fenstern.

Farben bei Dunst und Nebel

Die Dunsttröpfen des Nebels versetzen die Szene in ein blaues Licht.

Rotes Licht – Sonnenaufgang, Nebelschwaden.

Das rote Licht des Sonnenaufgangs spiegelt sich jetzt in den Nebelschwaden.

Kunstlicht: Grüne Straßenlaternen, gelbe Glühbirnen.

Am Abend hat jede Kunstlicht-Quelle ihre eigene Farbe: Das Grün der Straßenlaternen, das gelbe Licht der Glühbirnen.

Vorgefertigte Farbtemperaturen

Digitalkameras haben für die schwierigen Fälle vorgefertigte Einstellungen hinter der Funktion Weißabgleich:

  • Hausschatten
  • wolkig
  • Halogenlicht
  • Glühlampen (darunter fallen auch die Energiesparlampen, die heute meist ein warmes Licht mit rund 2700 bis 3000 Kelvin zeigen)
  • sonnig
fotokurs-weissabgleich-auto.jpg
 Damit Fotos an besonders heißen Tagen keinen Gelbstich annehmen
fotokurs-weissabgleich-hausschatten.jpg
fotokurs-weissabgleich-manuell

Die Livevorschau der Digitalkamera kann uns sogar zeigen, wie das Bild bei unterschiedlichen Einstellungen aussieht.

Wer seine Aufnahmen als RAW-Foto erfasst, kann den Weißabgleich auch später im RAW-Programm ändern.

Manueller Weißabgleich

Wenn am Ende die vorgefertigten Einstellungen für den Weißgleich die Farben nicht korrekt zeigen, gibt es noch einen manuellen Weißabgleich.

Beim manuellen Weißabgleich wird ein Foto von einer neutralen Graukarte aufgenommen, dass der Kamera als Referenzbild dient.

»Hey, Kamera, das hier ist ein Motiv in einem neutralen Grau!«

Ein manueller Weißabgleich ist z.B. angebracht, wenn es auf ein oder zwei Farben im Bild ankommt: Modefotografie, bei der das Orange der Bluse stimmen muss.

Automatischer Weißabgleich
Manueller Weißabgleich

Aber auch für Stimmungsbilder kann ein Weißabgleich die Farbstimmung verbessern: Bei Fotos unter dem Laub des Waldes.

Im Wald herrscht Zwielicht, denn durch das Laub scheint das Sonnenlicht, während die Blätter den Himmel reflektieren. Selbst an trockenen Sommertagen schweben feine Dunsttröpfchen in der Luft, die das Licht viel kühler wirken lassen als es uns lieb ist.

Weißabgleich mit Graukarte

Graukarten für den manuellen Weißabgleich bekommt man beim Fotofachhändler. Praktisch ist der kleine Colorchecker von XRite. Da ist die Graukarte geschützt in einer dünnen handlichen Box, die immer noch mit in den Fotokoffer passt.

Farbkarte für Weißabgleich
Die graue Karte des Colorcheckers wird für den Weißabgleich abfotografiert.
Die Doppelseite mit den Referenzfarben des Colorcheckers können für den Vergleich »Monitor – Kamera« benutzt werden.

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