Hyperfokale Distanz: Scharfstellen in der Landschaftsfotografie

Schärfe so lang wie die Autobahn von Flensburg nach Hamburg? In der Landschaftsfotografie reicht es schon, wenn die Schärfe von den Gräsern im Vordergrund bis zum anderen Seeufer reicht. Da sind oft mehrere Hundert Meter zu überbrücken.

Scharfstellen auf eine Entfernung mit einer bestimmten Blende, so dass das Foto von vorn bis hinten scharf wird.

Schärfentiefe: Eine Frage der Blende und der Distanz

Die Blende darf aber nicht zu klein werden, damit die Gesamtschärfe nicht leidet. Zudem wird mit kleinen Blenden die Belichtungszeit länger und damit die Gefahr, dass die Aufnahme verwackelt (bei Fotos ohne Stativ) oder der Wind Blätter, Zweige, Wellen und Wolken verwischt.

Die Parameter für die Schärfentiefe in der Landschaftsfotografie sind die Blende und der Abstand zum Fokuspunkt:

Je kleiner die Blende und desto größer die Entfernung zum fokussierten Punkt, desto weiter breitet die Schärfentiefe sich aus.

Blende und Entfernung unterliegen Grenzen: Die Entfernung zum fokussierten Punkt darf nicht zu groß und die Blende darf nicht zu klein werden.

Blende nicht zu klein, Fokusdistanz nicht zu groß

Mit den kleinen Blenden des Objektivs – meist ab Blende F11 oder F16 – nimmt die Gesamtschärfe des Fotos aufgrund der Beugung ab. Auch eine große Entfernung zum fokussierten Punkt bringt das Objektiv um seine beste Schärfe.

Wenn die Kamera mit einem 50 mm-Objektiv (entspr. Kleinbild) und Blende F2 auf einen Punkt in 10 Meter Abstand fokussiert, ist nur ein kleiner Bereich vor und hinter der 10 m-Grenze perfekt scharf, aber mit kleineren Blenden wächst die Schärfentiefe schnell an.

Schärfentiefe bei 50 mm Brennweite

Schärfentiefe bei 50 mm Brennweite und 10 m Abstand zum fokussierten Motiv

Schärfentiefe bei 20 m Abstand

Schärfentiefe bei 50 mm Brennweite und 20 m Abstand zum fokussierten Motiv

Wiegt schwer: Die Distanz zum fokussierten Objekt

Zusätzlich zur Schärfentiefe, die durch die kleine Blende entsteht, dehnt eine größere Distanz zum fokussierten Punkt die Schärfe aus.

Bei 10 Metern Distanz und Blende 4 reicht die Schärfe von etwa 7 bis 15 Meter vor der Kamera. Bei 20 Metern Distanz und Blende 4 liegt alles innerhalb von 12 bis 50 Metern in der Schärfenebene. Die Schärfentiefe wächst exponentiell mit der Entfernung des Fokuspunkts.

Die Illustration zeigt oben aber, dass es wenig Sinn macht, die Entfernung zum fokussierten Punkt zu weit auszudehnen. Dabei bleibt der Hintergrund zwar in der Schärfe, aber der Vordergrund bleibt bei einem größeren Abstand unscharf.

Hyperfokale Distanz

Der naheliegenste Punkt, an dem die Schärfe bis Unendlich reicht, wird als »Hyperfokale Distanz« bezeichnet.

Objektiv mit Entfernungskala
Objektiv mit Entfernungskala

Auf alten Objektiven ist die hyperfokale Distanz oft noch eingraviert, neuere und vor allem preiswerte Objektive ersparen sich den kleinen roten Strich. So exakt ist die Sache mit der hyperfokalen Distanz allerdings nicht: Bei großen Entfernungen reicht der Daumen und etwas Erfahrung mit dem Objektiv.

  • Hier erreicht die Fokuseinstellung von 10 m bei Blende F8 eine Schärfentiefe von 5 Metern vor und 5 Metern hinter der Schärfenebene,
  • bei Blende F11 etwa 4 Meter davor. Bei der Fokuseinstellung auf 10 Meter und Blende F11 bis F13 sollte die Schärfe vom Vordergrund bis zum Horizont reichen.
Hyperfokal vs Unendlich
Scharf gestellt auf »Unendlich« vs Hyperfokale Distanz: Der Mond ist in beiden Aufnahmen scharf, aber mit der Einstellung des Objektivs auf Unendlich hat es der Vordergrund nicht bis in die Schärfenebene gebracht.

Heute übernimmt eine App auf dem Smartphone die Berechnung – aber hyperfokale Distanz ist einfacher gestrickt als die Schärfentiefe und ein gelber Zettel mit wichtigen Angaben zur hyperfokalen Distanz tut es auch.

  • 15 mm Blende 8 Hyperfokale Distanz 1,6 m
  • 35 mm Blende 8 Hyperfokale Distanz 7,7 m
  • 50 mm Blende 8 Hyperfokale Distanz 15,7 m
  • 160 mm Blende 16 Hyperfokale Distanz 80 m
  • 300 mm Blende 16 Hyperfokale Distanz 280 m

Objektive mit Entfernungsskala

Die Entfernungsskala der Objektive für APS-C-Sensoren ist heute viel zu klein, um mehr zu liefern als eine ungefähre Entfernungsschätzung. Die kurze Rotationsstrecke der digitalen Objektive soll für einen schnellen Autofokus und einen möglichst geringen Energiebedarf für die Linsenbewegung im Objektiv sorgen, macht aber die Einstellung einer Entfernung zu einer Lotterie.

Darüber hinaus geht der Fokusring der Objektive über Unendlich hinaus, auch das wieder dem Autofokus zuliebe.

Eine gut ausgestattete Werkzeugkiste enthält vielleicht einen guten Laser-Entfernungsmesser – der fühlt sich im Fotokoffer auch wohl und kann außerdem im Dunkel als Fokus-Hilfslicht dienen.

Festbrennweite und beste Blende

Wer mit einer Festbrennweite fotografiert, kann sich die wichtigsten Kennziffern auch leicht merken, denn für die Landschaftsfotografie wird meist eine Blende zwischen F8 und F16 eingestellt. Wer erforscht hat, welche Blende seines Objektivs die beste Schärfe zeigt, braucht sich im Endeffekt nur eine Zahl zu merken.

Schärfentiefe im Detail, Tabellen und Apps zur Berechnung der Schärfentiefe: DOF Master – die Meister des Depth of Field

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