Bildgestaltung mit der Kompaktkamera

Fotos mit der Kompaktkamera brauchen eine eigene Bildgestaltung und Bildsprache, da sie die Unschärfe hinter dem Motiv nicht erzielen, die Fotografen zu Kameras mit großen Sensoren und Objektiven mit großen Offenblenden greifen lässt.

Bessere Fotos mit der Kompaktkamera

Mit der Kompaktkamera sind die klassischen Tugenden der Bildgestaltung in der Fotografie gefragt: Farbkontrast, Helligkeitskontrast, Größenunterschied und Raumwirkung – dann müssen sich die Fotos keinesfalls hinter den Aufnahmen aus einer System- oder Spiegelreflexkamera verstecken.

7 Tipps für die Kompaktkamera
7 Tipps für die Kompaktkamera

Das Plus und das Manko der Kompaktkamera: die lange Schärfentiefe

Die Kompaktkamera zeigt die Unschärfe hinter dem Motiv nicht so deutlich wie die Spiegelreflexkamera: Die Schärfentiefe der Kompaktkamera reicht viel weiter als die Schärfentiefe aus der Spiegelreflexkamera.

Darum wirken die Fotos aus der Kompakten oft weniger plastisch. Aber die Unschärfe hinter dem Motiv ist nur eines der Mittel der Bildgestaltung. Wer mit der Kompaktkamera fotografiert, kann das Motiv mit Farben, Helligkeit und Größenrelationen hervorheben und die lange Schärfentiefe der Kompaktkamera ausnutzen.

Unschärfe im Hintergrund mit großem Sensor
Einen aufgelösten Hintergrund in einem Porträt in voller Lebensgröße – das schafft nur die Spiegelreflexkamera mit dem Vollformatsensor und einem Prime-Objektiv (Canon 85 mm F1.2). Ohne die Unschärfe im Hintergrund wäre das Bild auch verloren.
Raumwirkung, Farbkontrast, Größenkontrast für Kompaktkameras
Raumwirkung, Farbkontrast, Größenkontrast und Helligkeit trennen das Motiv ebenfalls vom Hintergrund und können alltägliche Motive herausstellen.
Panorama Kompaktkamera
Der Kontrast von Schärfe zur Unschärfe ist in vielen Fotos der Clou – aber auch die Schärfe von »vorn bis hinten« ist ein Eye-Catcher. Mit der Spiegelreflexkamera müsste sich der Fotograf mit der Spiegelreflexkamera mächtig anstrengen, um das Münchner Panorama so scharf wie mit der Panasonic Lumix ins Bild zu setzen.
kompaktkamera-unschaerfe-hinter-motiv
Kleine Motive groß ins Bild setzen – das bringt die Unterschärfe auch mit der Kompaktkamera in den Hintergrund.

Schärfentiefe – eine Frage des Zerstreuungskreises

Eine ganze Reihe von Faktoren trägt zur Ausdehnung der Schärfentiefe bei: die Blende, die Abbildungsgröße, die Entfernung vom Motiv. Über all diesen klassischen Faktoren dominiert heute der »Zerstreuungskreis«.

Die Größe des Zerstreuungskreises wiederum hängt von der Sensorgröße ab.

Sensorgrößen vom Vollformat-Sensor über den APS-C-Sensor bis hin zu den Sensoren von Kompaktkameras und Handys

Der Ausdruck »Zerstreuungskreis (siehe Wikipedia« oder »Circle of Confusion (COC)« beschreibt, wie groß ein Punkt auf dem Sensor abgebildet werden darf, damit wir ihn in der vergrößerten Aufnahme noch als scharfen Punkt akzeptieren.

Zwar hängt der Eindruck der Schärfe auch von der Bildgröße und dem Betrachtungsabstand ab, aber diese Feinheiten spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Der Zerstreuungskreis der Four Thirds-Sensoren wie der Panasonic GF1 und der Olympus Pen ist doppelt bis dreifach so groß wie der Zerstreuungskreis der meisten Kompakten. Eine »kleine« digitale SLR im APS-C-Format wie die Nikon D5000 hat einen drei bis viermal so großen Zerstreuungskreis.

Kameratyp Zerstreuungskreis
Vollformat-Sensor 0,023 - 0,030
APS-C 0,019 - 0,020
Four Thirds 0,015
Kompaktkamera 0,005-0,007

Analoge Kompaktkamera hatten es leichter

So etwas wie die Kompaktkamera gab es beim analogen Film nur in Nischen. Da gab es den Pocketfilm für kleine Pocketkameras und kurz bevor die Digitalkamera sich durchsetzte, kam noch der APS-Film auf den Markt, nach dem die APS-C-Sensoren benannt sind. Einen so kleinen Film wie den Sensor der Kompaktkameras gab es höchstens in der Kravattennadel von James Bond 007.

Analog machte es keinen Unterschied, ob die Kamera eine kompakte Sucherkamera oder Spiegelreflexkamera war: Film ist Film und der Fotograf hatte bei der Beurteilung der Schärfentiefe nur am Rande mit dem Zerstreuungskreis zu tun.

Heute kitzelt ein winziger Zerstreuungskreis 12 bis 16 Megapixel aus den kleinen Sensoren, damit sich das Foto aus der Kompaktkamera genauso vergrößern lässt wie das Bild aus der Spiegelreflexkamera.

Der kleine Sensor der Kompaktkamera mit dem kleinen Zerstreuungskreis führt dazu, dass die Schärfentiefe aus der Kompaktkamera kaum zu bremsen ist.

Schärfentiefe der Kompaktkamera: Keine Hilfe von der großen Blende

Zwar haben die Objektive der hochwertigen Kompaktkameras eine große Anfangsblende (z.B. Lumix LX3 mit sagenhafter Anfangsblende F2), aber der kleine Sensor gibt den Ton an und triumphiert über die große Blende.

  • Mit der großen Blende und trotzdem langer Schärfe gelingen Fotos bei schwachem Licht mit niedrigen ISO-Einstellungen. Das hält das Rauschen, die farbigen Fehlpixel bei hohen ISO-Einstellungen, bei guten Kompaktkameras in Grenzen.
  • Lichtstarke Objektive zeigen brillante Farben und stellen schnell scharf.
  • Die große Schärfentiefe gleicht so manches falsches Scharfstellen aus. Obendrein stellen Kompaktkameras von Haus aus zuverlässiger scharf als Spiegelreflexkameras.
Kompaktkamera-ISO-Rauschen
In der Verkleinerung sieht man dem Foto das Rauschen nicht an. Allenfalls fehlt die perfekte Schärfe.
Rauschen: farbige Fehlpixel machen das Bild unscharf
Der 1:1-Ausschnitt zeigt die farbigen Pixel, durch die die Farben verblassen und das Bild insgesamt unscharf wirkt.

Wenn eine Spiegelreflexkamera bei schlechten Lichtverhältnissen das Foto z.B. mit Blende 6.3 erfassen muss, um die nötige Schärfentiefe zu erzielen, reicht die Schärfentiefe der Kompaktkamera bei Blende 3.3 oder 4. Die Spiegelreflexkamera würde nach ISO 800 verlangen, die Kompaktkamera käme mit ISO 200 oder ISO 400 aus.

Auch die Aussage, dass Kompaktkameras so langsam sind, gehört der Vergangheit an. In Punkto Auslöseverzögerung hinken Kompaktkameras der Spiegelreflexkamera kaum noch bis gar nicht nach.

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