Haltbarkeit analoger Filme: Verblassen und Farbstiche

Wer hat Angst um sein digitales Fotoarchiv? Wem sind digitale Bilddaten zu unsicher?

Ganz gleich, auf welchem Medium wir unsere Bilder lagern: Die Ängste waren immer schon dabei.

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Um das Jahr 2000 herrschte bei den großen Fotoarchiven dieser Welt die helle Aufregung: Gute fünfzig Jahre war das Farbdia alt und seine Gnadenfrist lief an.

Zu Bewußtsein gekommen ist uns dieses Dilemma erst in jüngster Zeit: Viele der Materialien, aus denen analoge Fotografien aufgebaut sind – Silber und Farbstoffe, Trägermaterialien, Bindemittel – sind instabil. Sie werden durch Licht, Feuchtigkeit und Wärme zerstört.

Der fragile analoge Film

Der analoge Film leidet unter Feuchtigkeit, Hitze und Licht. Feuchtigkeit und Wärme zerstören das Filmmaterial und fördern das Wachstum von Pilzen und Schimmel, zerstören Diarahmen aus Pappe, Kunststoff oder Glas.

Mittelformatdias im Glasrahmen auf Kodak-Safty-Film aus den 50er und 60er Jahren. Kodak-Safty hieß der Film, weil er sich bei Temperaturen über 30° nicht mehr selbst entzündete.

Natürlich verlängert eine sachgemäße Lagerung die Lebensdauer des Dias, aber fast immer erschwert sie den Zugang und die Nutzung des Archivs. Ein extremes Beispiel ist das Archiv der Norwegischen Nationalbibliothek, das in einem ehemaligen Eisenerzlager nördlich des Polarkreises angelegt wurde, um die Kosten für die Kühlung zu sparen. Ein langer Anfahrtsweg und eine langwierige Akklimatisationszeit verhindern eine einfache Nutzung des Archivs.

Im Schwarzwald, in einem stillgelegten Bergwerk bei Oberried, schlummern die Mikrofilme der deutschen Archive bei 10° und exakt definierter Luftfeuchtigkeit.

Schnell gescant: Lösung aller Probleme?

Der Digitalisierung muss sich jedes analoge Archiv stellen – nicht nur unter dem Aspekt der Haltbarkeit des Films, sondern in Hinsicht auf die Erschließung der Fotografien. Jedes Foto, das reproduziert werden soll, muss durch den Scanner. Mit dem Preissturz und gleichzeitigem Qualitätszuwachs der Scanner um das Jahr 2000 lag die professionelle Bilderfassung in hohen Auflösungen und Farbtiefe offen für jeden ambitionierte Sammler.

Dias, Negative und insbesondere fotografische Abzüge altern: Wärme, Feuchtigkeit und selbst das Licht setzen ihnen zu.

Aber bereits nach den ersten Scans fällt auf, dass schon das Kleinbilddia - mit 2500 bis 3000 dpi und 16 Bit Farbtiefe gescannt und unkomprimiert als TIFF gespeichert - satte 60 MB digitaler Daten auf die Platte setzt. Aber nachdem das digitalisierte Foto über Jahrzehnte alle Langzeitspeicher dick und fett an den Rand brachte, liegen Festplatte heute in einer Größenordnung von 2 bis 4 Terrabyte und sind problemlos in der Lage, 10.000 bis 20.000 Fotos aufzunehmen.

Damit ist es höchste Zeit, die kurzlebigen Speicher für digitale Fotografien auf Festplatten zu überspielen: CD und DVD sind zu fragil, nehmen zu wenige Bilder auf und brauchen einen Discjockey. Die Speicherkarten der digitalen Kamera sind ebenfalls kein Langzeitspeicher – zu klein, kaum zu beschriften.

Langzeitspeicher für digitale Fotos

Ist eine Lösungen für das Bildarchiv in Sicht, mit einem schnellen Zugriff auf die Bilddaten, einem geringen Verwaltungsaufwand und schnellem Suchen, mit der hohen Sicherheit eines langlebigen Mediums?

Für Bildarchive sind große Festplatten ein preiswerter, schneller und zudem ausgesprochen sicherer Langzeitspeicher.

Wenn ein hohes Maß an Sicherheit gefordert ist, zieht neben einem regelmäßigen Backup ein »Raid« System (Redundant Array of Independent Disks) ins Bildarchiv.

Ein Raid-System besteht aus mehreren Festplatten und die Dateien werden auf die Platten verteilt. Sollte eine Platte ausfallen, wird das Bild immer noch auf der zweiten Platte für einen schnellen Zugriff verfügbar sein.

Der Weg des Bildes führt in die Cloud

Wir werden immer mehr Bilder in die Cloud auslagern. Sei es nun Flickr, Drop-Box, Adobe Cloud-Speicher oder Speicher bei Google: Die ehemalig engen Grenzen sind gefallen und die Sicherheit des Cloud-Speichers ist hoch. Hier brauchen wir uns nicht darum zu kümmern, ob die Speicherplatte zu klein oder zu langsam wird. Dafür sorgen die Anbieter des Cloud-Speichers.

Dem Cloud-Speicher traue ich eine höhere Sicherheit als den eigenen Backups zu. Ob Festplatte oder Raid-System: Ein Backup muss im Grunde genommen immer außer Haus gehalten werden, denn ein Brand, Wasserschaden oder Diebstahl kann das Archiv mit sich reißen.

Dateiformate für digitale Fotografien

Das sicherste Bildformat ist ein unkomprimiertes TIF (auch Photoshop-PSD ist ein TIF-Format). Die RAW-Formate der Kamerahersteller hingegen sind unsichere Kandidaten. Nicht etwa, weil ein digitales Foto im RAW-Format verletzlicher ist, sondern weil niemand weiß, ob das RAW-Format einer Kamera in 10 Jahren noch von Bildbearbeitungsprogrammen oder einer Archivsoftware geöffnet werden kann.

Wer Fotos nicht als JPEG speichern möchte, kann auf das DNG-Format ausweichen. DNG (Digital Negativ) ist ein standardisiertes Format für digitale Fotografien.

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