Wenn die Kamera nicht scharfstellt: Autofokus

Das Autofokussystem der Kamera stellt die Linsen des Objektivs ein, um den Fokuspunkt – den Bereich der besten Schärfe und Kontrasts – auf das Motiv zu setzen.

Der richtige Fokuspunkt macht den Unterschied zwischen einem scharfen Foto und einer verpassten Gelegenheit. Auch wenn die Kamera den Fokus automatisch setzt – die Technik und die Strategie des Fokussystems sind nicht immer gradlinig und intuitiv.

Das Autofokus-System

Der Autofokus spielt die tragende Rolle im Kampf um die beste Schärfe an der richtigen Stelle. Die Technik hinter dem Autofokus ist keineswegs einfach und braucht bei aller Raffinesse in vielen Situationen Hilfe vom Fotografen, damit die Schärfe auf das richtige Motiv trifft.

Das Autofokussystem besteht aus 9, 15 oder mehr Fokussensoren, die über den Bildausschnitt auf dem Display oder im Sucher verteilt sind. Diese Sensoren messen Änderungen des Kontrasts (Unterschiede zwischen Hell und Dunkel) an verschiedenen Punkten des Motivs.

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Nur wenn der Kontrast in einem der Fokusfelder hoch genug ist, kann das Autofokussystem der Kamera scharf stellen.

Wenn die Kamera nicht auslösen will

… dann ist fast immer der Autofokus schuld. Nicht wirklich, denn wenn die Kamera nicht scharf stellen kann, löst sie nicht aus – es sei denn, der Autofokus ist zugunsten des manuellen Fokus ausgeschaltet.

Die meisten Kameras sind bei der Auslieferung per Vorgabe auf Fokuspriorität oder Schärfepriorität eingestellt. Diesen Menüpunkt ändert kaum ein Fotograf. Nur auslösen, wenn die Kamera scharf stellen kann, schützt den Fotografen vor vielen unscharfen Fotos und es gibt außer dem manuellen Scharfstellen nur wenige Gelegenheiten, bei denen wir bewußt auf diese Funktion verzichten. Fokuspriorität Panasonic Lumix

Der Autofokus braucht Kontrast und Konturen. Konturen sind Linien im Bild, die eine Grenze zwischen hell und dunkel oder gut kontrastierenden Farben bilden. Hier kann der Autofokus ohne Verzögerung scharf stellen. Fehlen die Konturen, muss auch der beste Autofokus passen.

Typische Problemzonen sind monochrome Flächen ohne Zeichnung – sprich: »ohne Kontrast«:

  • Weiße Wände oder Porzellan ohne Muster,
  • glatte Statuen aus mattem Material,
  • reflektierende Flächen auf Metall oder Wasser,
  • wollige kleine Lämmer, Teddybären und schwarze Katzen,
  • die glatten Wangen eines Babys,
  • einfarbige T-Shirts,
  • die Bergkette in großer Entfernung im Nebel.
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In der Dunkelheit findet der Autofokus keine Anhaltspunkte – manuell scharfstellen
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Für die großen Lichter im Bild die Fokuspriorität abschalten oder manueller Fokus und auf kurze Distanz fokussieren.

Nahaufnahmen, Makrofotografie: Zu nah dran

Jedes Objektiv hat eine Naheinstellgrenze, die so wichtig ist, das sie in das Objektiv eingraviert ist. Wird die Naheinstellgrenze unterschritten, funktioniert der Autofokus nicht mehr und die Kamera löst nicht aus.

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0.2m/0.66ft
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0.3m/0.98ft

Handy und Kompaktkamera

Kompaktkameras und Handykamera haben kleine Sensoren – je kleiner der Sensor, desto näher kann das Objektiv ans Motiv und der Autofokus findet noch den notwendigen Kontrast.