Zehn Fallen und Fehler der HDR-Fotografie

Selbst die Naturalisten unter den Fotografen können der Versuchung kaum widerstehen: Einmal muss jeder Fotograf eine nächtliche Kulisse oder die malerische Architektur vor einem dramatischen Himmel für das High Dynamic Range-Verfahren – kurz HDR – fotografieren.

Um gleichzeitig Licht in die höllisch schwarzen Schatten bringen und die Zeichnung in den Lichtern zu erhalten, braucht die HDR-Fotografie eine Belichtungsreihe mit zwei, drei oder mehr Aufnahmen. Belichtungsreihen lassen sich an den meisten Spiegelreflex- und Systemkameras und selbst bei den semiprofessionellen Kompakt- und Bridgekameras nach einem tiefen Blick in das Kamerahandbuch programmieren.

Typische Probleme der HDR-Fotografie

Vorbereitungen für die HDR-Aufnahme

Um einen Ausgangspunkt für die Blendenreihe festzulegen, wird an der Kamera im Programm M die Blende eingestellt –; z.B. Blende F6.3 oder F8.

Messwert-Anzeige auf dem Display Messwert-Anzeige auf dem Display
Belichtungsreihen programmieren – z.B. mit der Nikon D5000 Belichtungsreihen programmieren – z.B. mit der Nikon D5000

Wenn jetzt die Belichtungszeit geändert wird, zeigt die Kamera entweder anhand der analogen Skala im Sucher oder durch den Wert der Belichtungskorrektur, ob und wie weit die Belichtungszeit von den Messwerten der Belichtungsautomatik der Kamera entfernt ist.

Sobald die Skala im Sucher »0« anzeigt oder das Display keine Abweichung mehr darstellt, ist die Basis-Einstellung für die Belichtungsreihe erreicht.

Belichtungsreihe – auch als »Bracketing« bezeichnet Belichtungsreihe – auch als »Bracketing« bezeichnet
Die analoge Skala der Belichtungskorrektur im Sucher der Spiegelreflexkamera Die analoge Skala der Belichtungskorrektur im Sucher der Spiegelreflexkamera

Die Belichungsreihe kann jetzt z.B. auf 5 Aufnahmen im Abstand von jeweils einem Blendenschritt programmiert werden: -2EV -1EV 0 +1EV +1EV

Aber jetzt lauern die Fallen der HDR-Fotografie.

HDR-Falle 1: Schärfe am falschen Platz

Bei wenig Restlicht kann der Autofokus in der HDR-Fotografie die Kamera im wahrsten Sinne des Wortes hinter das Licht führen: Entweder greift der Autofokus gar nicht, wenn das Licht schwach ist und das Motiv gerade in den Autofokusfeldern dunkel ist, oder eines der Autofokusfelder greift sich den Ast eines Baums im Vordergrund und legt die Schärfe viel zu weit in den Vordergrund. Das Motiv ist dann nicht mehr perfekt scharf.

Spätestens bei Nachtaufnahmen oder Aufnahmen zur Blauen Stunde wird es Zeit für manuelles Scharfstellen. Nach einer Probeaufnahme auf jeden Fall die Schärfe im Display der Kamera mit maximaler Vergrößerung prüfen! Es können schon drei, vier Aufnahmen nötig sein, bis die Schärfe in den einzelnen HDR-Fotos perfekt sitzt.

Die Alternative zum Experimentieren mit der Entfernungseinstellung bei wenig Restlicht oder Available Light ist die hyperfokale Distanz.

Das ist die Entfernung des naheliegensten Punkts, bei dem die Schärfe bei einer Brennweite und einer gegebenen Blende bis Unendlich reicht. Aber auch hier ist Erfahrung beim Einschätzen der Entfernung gefordert.

HDR-Falle 2: Wechselnde ISO-Einstellungen

Für HDR-Fotos muss die ISO-Automatik abgestellt werden – wenn die Einzelbilder mit unterschiedlichen ISO-Werten aufgenommen werden, weist die Serie am Ende unterschiedliche Schärfen auf und selbst der Farbcharakter des Bildes kann sich ändern.

Egal, ob Langzeitaufnahme mit dem Stativ oder aus der Hand bei hohen ISO-Werten fotografiert: Bei allen Aufnahmen für das HDR-Foto sollte der ISO-Wert gleich bleiben.

Wenn die Kamera auf dem Stativ steht, darf es wie bei der Nachtfotografie der kleinste ISO-Wert sein.

HDR-Fehler 3: Unterschiedliche Blenden

Werden die Fotos für die HDR-Serie mit unterschiedlichen Blenden aufgenommen, entsteht jeweils eine andere Schärfentiefe, die dem HDR-Bild am Ende einen unscharfen Charakter verleiht.

Mit der Automatik ist der Fotograf ganz dem Willen der Kamera unterworfen. Besser ist es, die Kamera im Programm A bzw. AV zu nutzen, die Kamera auf eine feste Blende einzustellen und eine Belichtungskorrektur z.B. von -2EV, 0 und +2EV einzustellen.

Erfahrene Fotografen werden das rein manuelle Einstellen der Belichtung im Programm M vorziehen: Eine feste Blende vorgeben und die Belichtungszeit variieren.

Im Programm M hilft die analoge Skala im Sucher oder auf dem LCD der Kamera:

  • Eine Aufnahme mit dem Zeiger unter der »0«,
  • eine Aufnahme mit zwei vollen Strichen im Minus (-2EV) und
  • eine Aufnahme mit zwei vollen Strichen im Plus (+2EV) sind eine klassische Grundeinstellung.

Die dritte Variante ist die Blendenreihe, die sich im Kameramenü programmieren lässt.

Auch die automatischen Blendenreihen variieren die Belichtungszeit und nicht die Blende!

HDR-Fehler 4: Die offene Blende

Wenn sich ein fester Standort für die Kamera findet oder das Stativ zur Hand ist, darf eine mittlere oder kleine Blende für die HDR-Fotos eingestellt werden.

Bei HDR-Fotos würde eine offene Blende bei den langen Belichtungszeiten nicht nur die Fehler des Objektivs hervorkehren – sie ist auch der Verzicht auf die volle Schärfe des Objektivs.

Ohne Stativ, kein fester Standpunkt weit und breit: zu hohe ISO-Einstellung. Auch aus drei Fotos in Serie wird so kein gutes HDR-Bild entstehen Ohne Stativ, kein fester Standpunkt weit und breit: zu hohe ISO-Einstellung. Auch aus drei Fotos in Serie wird so kein gutes HDR-Bild entstehen
Mit der offenen Blende fotografiert: Da kommt trotz des großen Abstands keine wirkliche Schärfe auf. Mit der offenen Blende fotografiert: Da kommt trotz des großen Abstands keine wirkliche Schärfe auf.
Das klappt gar nicht. Die Boote dümpeln im Wasser Das klappt gar nicht. Die Boote dümpeln im Wasser
HDR kann Zeichnung und Farbe aus den Tiefen der Aufnahmen optimal herausholen. Bei Nebel allerdings nur sehr bedingt. HDR kann Zeichnung und Farbe aus den Tiefen der Aufnahmen optimal herausholen. Bei Nebel allerdings nur sehr bedingt.

Ein aufgelöster Hintergrund ist bei Landschafts- und Architekturaufnahmen mit Available Light überflüssig – der Unterschied zwischen dem hellen Motiv und der dunklen Umgebung stellt das Motiv viel besser heraus.

Bei Blende f8 oder f11 holt die Kamera zudem das Beste aus dem Objektiv und die Schärfe erstreckt sich durch das ganze Bild.

HDR-Falle 5: Aufnahmen ohne Stativ

Natürlich ist es ganz schön lästig, mit einem unhandlichen und schweren Stativ durch die abendliche Stadt zu marschieren – aber obwohl alle HDR-Programme einen kleinen Versatz in den Einzelaufnahmen ausgleichen können, werden Aufnahmen aus der Hand nicht dieselbe grandiose Schärfe liefern wie Aufnahmen vom Stativ.

Ein leichtes Stativ mit mangelhaften Standvermögen lässt sich z.B. durch eine Einkaufstasche aus Leinen und ein paar Steinen stabilisieren, die unterwegs oder vor Ort gesammelt werden.

Eine Mauer oder Parkbank kann als Stativersatz dienen – dann ist ein Fernauslöser unverzichtbar, da die Kamera ansonsten durch das Auslösen schnell ein paar Millimeter versetzt wird.

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