Schärfe im Fokus: das Objektiv

Die Qualität eines Fotos – die ja insbesondere aus der Schärfe des Bildes resultiert –, wird zu einem großen Teil vom Objektiv vorgegeben und keinesfalls einfach vom Sensor.

Schärfe kommt vom Objektiv
Das alte Teleobjektiv aus der Fototasche meines Vaters

Als erstes sollte also die Frontlinse des Objektivs stets in einem klinisch reinen Zustand sein. Ein spezielles Tuch zur Reinigung des Objektivs kostet nur ein paar Cent und kann in einer Plastikhülle in der Hosentasche verstaut werden.

Perfekte Schärfe will hart erarbeitet werden – auch der Umgang mit dem Autofokus will geübt sein.

Wer sich die Mühe macht, sein Objektiv so richtig kennen zu lernen, wird mit einer »billigen Scherbe« teure Objektive in der Hand eines Banausen toppen.

Gute Objektive

Nicht der Sensor, sondern das Objektiv ist also der wichtigste Ursprung der Schärfe. Wer glaubt, das bessere (sprich: teurere) Kameramodell wird ihm eine feinere Bildqualität und Schärfe liefern, sollte lieber in bessere Objektive investieren.


Kein Objektiv ist rundherum perfekt – und sei es noch so teuer. Und gleich, wie hoch die Qualität des Objektivs ist – jedes Objektiv hat nur einen kleinen Bereich von Blenden, bei dem es seine beste Qualität liefert.

Es lohnt sich immer, den optimalen Einsatzbereich eines Objektivs herauszufinden.


  1. Bei offener Blende treten die meisten Abbildungsfehler auf und es kommt zu Aberrationen (Abweichungen).
  2. Bei extrem kleinen Blenden kommt es zu Diffraction (Beugung).

Das sind auch schon wieder nur Binsenweisheiten. Jedes Objektiv ist auf ein anderes Ziel hin optimiert.

Ein Porträtobjektiv wird auf hohe Leistung schon bei der offenen Blende getrimmt und verliert vielleicht schon ab Blende F8 oder F11. 

Blende F2,8 bei 75 mm Blende F2,8 bei 75 mm – der Baum in der Mitte zeigt eine leichte Unschärfe
Blende F5,6 bei 75 mm Blende F5,6 bei 75 mm – Der Baum in der Mitte ist nur einen Hauch schärfer
Die große Blende Die große Blende lohnt sich also gar nicht, sondern bringt Bildfehler (der Farbsaum um die Statue) mit sich.
Gut abgeblendet – kein Farbsaum. Gut abgeblendet ist das Foto insgesamt schärfer und die Aberration – der Farbsaum – tritt nicht mehr auf.

Mit mehr Elementen im Objektiv können die Entwickler solche Fehler besser kompensieren.

Darum also wird in der Werbung für ein Objektiv auch so oft die Anzahl der Elemente erwähnt.

Optischer Aufbau von Objektiven Nikon 18-135 mm: Optischer Aufbau: Linsen / Glieder: 15/13
Asphärische Linsen im Objektiv Die blauen Elemente sind asphärische Linsen, das ED-Element ist gelb dargestellt.

Moderne Objektive mit ihrer großen Zahl von Elementen erreichen ihre beste Schärfe meist bei Blende f5,6 –f8, die richtig guten bringen schon bei offener Blende eine gute Schärfe zum Vorschein.

Bei älteren Objektiven, die aus weniger Elementen aufgebaut waren, musste man schon mal bis zur Blende f11 abblenden und das Abblenden um ein bis zwei Blenden war Pflicht, wenn eine gute Schärfe bei einer großen Blende erzielt werden sollte.

Es gibt viele Situationen, in denen die offene Blende nicht benötigt wird und eher kontraproduktiv wirkt – z.B. 

  • wenn das Motiv mit allen Elementen auf einer Ebene liegt - z.B. eine Hausfront,
  • wenn das Motiv in einer so großen Entfernung liegt, dass sowieso keine sinnvolle Unschärfe dahinter einstellen wird (typische für Landschaft).

Nahaufnahmen und Makrofotografie:
Schärfe durch kleine Blenden

Bei Nahaufnahmen brauchen wir eher eine kleine Blende, um die nötige Schärfentiefe zu erzielen. Also macht es wenig Sinn, ein Makroobjektiv auf die Offenblende hin zu optimieren.

Ausreichend Schärfentiefe bei Blende F8 verhilft dem Schmetterling zur Schärfe von einem Flügel bis (fast) zum anderen. Mit der Systemkamera mit dem 1"-Sensor gelingt das Makro schon bei Blende F/4.2 und einem niedrigeren ISO-Wert.

Makro Schärfentiefe APS-C
APS-C-Kamera: Blende F/8 ISO 800 Belichtungszeit 1/200 Sek
Makro Schärfentiefe Nikon S1
Nikon S1 Blende F/4.2 ISO 360 Belichtungszeit 1/640 Sek

Kompaktkameras:
Abblenden muss nicht sein

Bei der Kompaktkamera macht Abblenden allerdings wenig Sinn: Kompaktkameras liefern meist schon mit der größten Blende des Objektivs ihre beste Schärfe. Die großen Blenden der Kompaktkamera sind eher für das Fotografieren in schlechten Lichtverhältnissen wichtig: Da sparen sie einen oder zwei ISO-Schritte. 

Bekanntlich liefern Kompaktkamera bei hohen ISO-Werten mehr Rauschen als Kameras mit einem größeren Sensor. Aber bei den kleinen Spitzen unter den Kompaktkameras, die mit einer Anfangsblende von F2.8 oder sogar F2 prunken können, kann man bei schlechtem Licht mit einem halb so hohen ISO-Wert eben dann doch noch ein Quäntchen Qualität herausholen. 

Fokusfalle: Autofokusfelder

Die klassische Fotofalle ist eine Schärfenebene, die hinter oder vor dem Motiv liegt. Die typische Ursache: Der Fotograf hat nicht exakt fokussiert. Gerade mit der Spiegelreflexkamera liegt der Fokus schnell daneben, denn bei der Auslieferung der Kamera und im Programm AUTO sind sämtliche Fokusfelder aktiv – welches Fokusfeld wird wohl das entscheidende sein, wenn die Kinder fröhlich vor der Kamera wuseln oder in der Mitte der Gruppe eine Lücke zur Hecke im Hintergrund entsteht, wenn wir gerade auf den Auslöser drücken?

Dieses Fokusfeld könnte sich durchaus zum dominanten Fokusfeld aufschwingen – weil das Motiv hinter dem Sensor weit vorn liegt und der Kontrast hinter dem Fokusfeld sehr gut ist.
Dieses Fokusfeld könnte sich durchaus zum dominanten Fokusfeld aufschwingen – weil das Motiv hinter dem Sensor weit vorn liegt und der Kontrast hinter dem Fokusfeld sehr gut ist.
Dieses Fokusfeld hingegen wird das Rennen mit Sicherheit nicht machen. Genauso wie das mittlere Fokusfeld liegt es über einen Teil des Motivs ohne guten Kontrast.
Dieses Fokusfeld hingegen wird das Rennen mit Sicherheit nicht machen. Genauso wie das mittlere Fokusfeld liegt es über einen Teil des Motivs ohne guten Kontrast.
Wetten dass … ? Der Kontrast der Hecke wird die den Fokus an sich reißen. Das Grün ist hell, die Schatten sind höllisch schwarz.
Wetten dass … ? Der Kontrast der Hecke wird die den Fokus an sich reißen. Das Grün ist hell, die Schatten sind höllisch schwarz.

Die Fokusfelder, die in die Sucherscheibe eingezeichnet sind, sind nur eine Orientierung für die Position des Fokussensors.

Tatsächlich ist der Autofokussensor viel kleiner als der Rahmen, der in den Sucher eingeblendet wird.

Nimm Eins – Autofokus auf Nummer Sicher

Erfahrene Fotografen schalten darum gern die Kamera auf die Benutzung eines einzelnen Autofokusfeldes – vorzugsweise auf das Feld in der Mitte. Damit nun nicht immer das Motiv in der Mitte des Bildes liegen muss, wirkt der alte Trick: Motiv in die Mitte des Sucherrahmens setzen, Auslöser halb durchdrücken, nicht loslassen, sondern mit halb gedrückten Auslöser die Kamera ein paar Millimeter in den Bildaufbau schwenken.

Hier ist dann tatsächlich die Auslöseverzögerung ein wichtiger Faktor für scharfe Fotos – bei Landschafts- und Architekturaufnahmen darf man sich die kurze Zeit, bis eine ältere Kompaktkamera ihren Fokus gefunden hat, ruhig nehmen, aber sobald sich die Motive bewegen, wird die Auslöseverzögerung zum kritischen Faktor.

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