Historische Medienarchive

Wer sich mit der Lebensdauer von Medien generell auseinandersetzt, entdeckt schnell, dass Medien um so langlebiger scheinen, je älter sie sind.

Die Tontafeln der Sumerer sind 4000 Jahre alt und sehen so perfekt aus, als wären sie gerade erst entstanden. Schreibmaterial aus Ziegen- und Schafhäuten, vor über 2000 Jahren in Gebrauch gekommen, hat die Jahrtausende unbeschadet überlebt. Die älteste bekannte Bibelschrift, der Codex Sinaiticus, wurde mit Eichengalle auf Ziegenleder geschrieben. Hadernhaltiges Papier aus dem 15. Jahrhundert ist erstaunlich dauerhaft.

Bildarchive – antike Medien

Mediengaus von der Antike bis heute

Wenn unser analoges Filmmaterial vergilbt und brüchig wird und sein Untergang absehbar wird, ist das nicht der erste Untergang eines Mediums: 400 nach Christus mußte die Welt zusehen, wie sich die klassische Literatur der Griechen und Römer im wahrsten Sinne des Wortes auflöste, weil die Papyrusrollen langsam zerfielen.

In einer für die damalige Zeit unglaublichen Rettungsaktion ließ der römische Kaiser Konstantin 100000 Werke auf das haltbarere Pergament kopieren.

Vergilben und Zerfall

Aber Papier aus der industriellen Produktion, wie wir sie seit etwa 150 Jahren kennen, überdauert nur noch 50 bis 80 Jahre. Im Jahr 1850 entdeckte die Papierindustrie den Holzschliff, das Verwenden stark zerkleinerter Holzmasse als Ersatz für den traditionellen, aus Lumpen gewonnenen Papierrohstoff.

Das im Holz enthaltene Lignin führt schnell zum Vergilben und produziert organische Säuren im Papier, zersetzt die Zellulosefasern sukzessive und läßt das Papier brüchig werden.

altes-buch

Der Brand der historischen Anna-Amalia-Bibliothek

Die 1691 gegründete Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar hat 2004 rund 30.000 historische Werke bei diesem Brand verloren, zahlreiche Bücher wurden tiefgekühlt und eingelagert, bis sie restauriert werden konnten.

Digitale Bücher und Fotos

Das gedruckte Buch wird noch viele Jahre in unseren Regalen stehen, aber das Foto ist heute fast ausschließlich digital. Wenn sie nicht gelöscht werden oder durch einen Festplattendefekt in das digitale Nirwana wandern, könnten digitale Medien ewig leben … sie werden einfach von einem Speichermedium auf das nächste »migrigiert«.

Das ähnelt schon fast dem Umkopieren der Schriften vom Papyrus auf das neuere Medium Pergament im Altertum. Mit dem Aufkommen des Buchdrucks wurden Werke in Bücher übertragen.


Auch wenn wir heute das Gefühl haben, dass wir früher Bücher und Fotografien besser behandelt und sorgfältiger verwahrt hätten: Das stimmt nicht. Auch unsere Eltern haben schon Fotos in Schuhkartons beim Umzug entsorgt. Preiswerte Bücher, Schulbücher, Romane – wir haben unzählige Bücher im Altpapier gelassen.

In meiner persönlichen Bilddatenbank liegen Bilder aus dem Jahr 1996, als ich meinen ersten Scanner bekam. Viele Fotos hingegen sind durch Achtlosigkeit – meist beim Umzug auf einen neuen Rechner – für alle Zeiten verschwunden. Selbst die ältesten Speichermedien in meinem Archiv sind noch lesbar – allerdings müsste ich mühsam ein Diskettenlaufwerk ans Laufen bringen.

Aber das ist nur eine ganz kurze Zeitspanne. Werden unsere Enkel noch in unseren digitalen Erinnerungen graben so wie wir im Schuhkarton mit Fotos von unseren Großeltern?

Mehr zum Thema ööö

Jan 2018

Sensible Speicher: Lanzeitspeicher für Fotos

Fotos vergilben, digitale Fotos stürzen von einem Augenblick zum nächsten ab.
Jan 2018

Lightroom Katalog mit Alben und Sammlungen

Adobe Lightroom – Katalog, Alben und Sammlungen

Ivent Fotokurse
Entdecken, was hinter dem Spiegel liegt …