Fußball fotografieren

Wenn die Sprache auf das Fotografieren von Fußball kommt, geht es meist zuerst um die Technik: Objektiv, Blende, Belichtungszeit? Aber die Bildgestaltung soll nicht zu kurz kommen.

Fußball zu fotografieren ist anstrengend: Immer wieder bewegt sich das Spiel in großer Entfernung, und wenn die Spieler mitsamt dem Ball dann endlich nah herankommen, wird die Luft für ein Foto ohne Bewegungsunschärfe dünn:

Je größer das Motiv abgebildet wird, desto schneller wird die Bewegung – desto kürzer die Belichtungszeit.
Fußball fotografieren

Als Fotograf muss man selber dauernd in Bewegung sein, denn schließlich will niemand immer nur die Rücken der Fußballspieler im Foto sehen.

Wer nicht gleich mit einem Tausender für das Objektiv loslegen will: Ein einfaches 55-200 mm-Objektiv gehört zu den preiswertesten Teleobjektive. Die 55mm sind gerade noch eine Brennweite, die klein genug ist, wenn sich das Feld nähert, 200 mm an einer APS-C-Kamera liefern noch genug Raum bei Tor auf der anderen Seite des Spielfelds für einen Bildausschnitt. Kompaktkameras mit einem großen Zoombereich (ein 20fach-Zoom ist schon genug) haben hier leichteres Spiel. Die Kompakten bringen zudem eine Schärfentiefe, die immer über das ganze Spielfeld reicht.

Zeitvorwahl, Belichtungszeit und ISO

Bei der APS-C-Kamera sind Blenden von F6.3 bis F8 gefragt, um bei den Kämpfen um den Ball alle Akteure in den Schärfebereich zu setzen. Dabei geht es dann sofort zur Belichtungszeit: Bei 1/350 bis 1/500 sek ist der Fotograf auf der sicheren Seite, wenn die Action auf der andren Seite des Spielfeldes läuft. Kommen die Spieler und der Ball näher, werden die kurzen Belichtungszeiten immer wichtiger und immer kürzer.

Das Programm der Wahl ist also die Vorgabe der Belichtungszeit: S oder TV (Canon) und z.B. 1/400 sek. Damit dabei Blende F6.3 bis Blende F8 herausspringen, muss je nach Tageslicht eine höhere ISO-Einstellung als ISO 100 für das nötige Tempo sorgen. Erinnern wir uns daran:

»Ist nichts geworden« durch Verwackeln kommt 100 mal häufiger vor als »Ist nichts geworden« durch ISO-Rauschen

Zwischen den Aufnahmen müssen wir also immer wieder prüfen, ob das Licht die Blende bei der eingestellten Belichtungszeit auch tatsächlich liefert.

Unsere Infografik Spielende Kinder und Sport fotografieren – denn für gute Fußballfotos sind viele Einstellungen gefordert.

Fußball Regionalliga: die Heimmannschaft fotografieren
Das Panasonic Lumix G X Vario 35-100mm f2.8 gibt einen großen Spielraum von nahen Kampfszenen bis zum Tor auf der fernen Seite des Spielfelds.

Serienbilder

Ohne Serienbildfunktion und Draufhalten gibt es nur seltene Schnappschüsse. Die Szene, in der ein Tormann den Ball gerade abwehrt (oder verpasst), ist nur mit der Serienbildfunktion mit ausreichender Sicherheit im Kasten. Serienbild an der Kamera einstellen (da können heutzutage auch die Kompaktkameras mithalten) und sobald es interessant wird, den Finger nicht mehr vom Auslöser nehmen.

Die meisten Spiegelreflexkameras und auch Systemkameras schaffen etwa 5 bis 10 Fotos in schneller Folge, dann ist der interne Speicher der Kamera erschöpft und die Bilder müssen auf die Speicherkarte übertragen werden.

Auch wenn es den Eindruck macht, als wolle die Kamera jetzt eine Ruhepause einlegen: Den Finger nicht vom Auslöser nehmen, sondern draufhalten, draufhalten, draufhalten! Die Kamera wird nur langsamer, aber sie gibt nicht auf.

Fokussieren

Jetzt können die teuren Semiprofis zeigen, warum sie ein paar Hundert Euro mehr gekostet haben: Sie haben mehr Fokusfelder.

Bei einer Einsteiger-Spiegelreflexkamera mit neun Fokusfeldern ist die Chance groß, dass die schöne Baumgruppe oder die Zuschauer im Hintergrund den Fokus an sich ziehen und die Spieler die unscharfe Karte bekommen.

Fokusfelder
Hat die Kamera 9 oder 11 Fokusfelder, sind die Abstände zwischen den Fokusfeldern groß. Wenn die Kamera viele Fokusfelder hat, erwischt sie nicht unbedingt den Mann am Ball.

Eine Kamera mit mehr als 40 Fokusfeldern und vielen Kreuzsensoren wird hier wesentlich mehr scharfe Fotos aus der Serie holen.

Wie schon gesagt: Kompaktkameras haben eine so lange Schärfe, dass nahezu jede Aufnahme scharf wird. Allerdings gelingt dabei keine Trennung der Spieler vom Hintergrund: Die Zuschauertribüne auf der anderen Seite des Spielfelds wird ebenfalls gestochen scharf. Da hilft nur ein größerer Zoom zu einer leichten Trennung von Vorder- und Hintergrund.

Serienfotos sind die beste Chance für einen Treffer
Zwei aus einer Serie von vier Fotos sitzen

Fussball mit Fokusfalle

Das ist schon eine Technik für coole Fotografen, die ihre Mannschaften gut kennen: Scharfgestellt wird auf die Stelle, an der die Action gleich wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht. Dann wird der Autofokus ausgeschaltet, der Fokus ist gespeichert. Abwarten, bis das Spielerfeld die scharfe Zone erreicht und dann auslösen und den Finger erst wieder vom Auslöser nehmen, wenn die Fußballspieler aus der Schärfezone hinauslaufen.

Ohne Autofokus wird die Kamera schneller, der Fotograf kann sich besser auf das Spielfeld konzentrieren. Nur jetzt nicht vergessen, dass der Autofokus außer Betrieb ist! Für die nächste Serie muss erneut scharf gestellt werden.

Manuell scharf stellen auf einen potentiell interessanten Bereich und warten und hoffen …

Bildgestaltung beim Fußball

Schon als ich noch klein war und mein Onkel in Vluyn Sonntags spielte, lagen die Fotografen am Rand des Fußballfelds. Keinesfalls, um es sich gemütlich zu machen, sondern um die Spieler groß und heldenhaft ins Bild zu setzen.

Aus dem Stand fotografiert läuft der Rasen im Bild nach oben.


Von der Tribüne aus fotografiert muss die Kamera natürlich nach unten gekippt werden. Nicht kleckern, sondern klotzen ist das Leitmotiv für Fotos von oben: Dann liefert die Kameras eine schöne Übersicht und die Zuschauer auf der anderen Seite des Spielfelds kommen nicht ins Visier, sondern das Grün ist Untergrund und Hintergrund.

Die großen Brennweiten komprimieren das Spielerfeld: Alles bleibt nah beisammen. Tiefe gelangt nur dann in die Fotos, wenn wir dem Spielerfeld immer wieder hinterherlaufen und kürzere Brennweiten einsetzen können. Dann hätten wir also auch noch einen Fitnessplan für Fotografen: Fußball fotografieren statt Joggen.

Fazit

Unsere B-Jugend eifert der Nationalelf nach: Unentschieden.

Sport zu fotografieren ist Übungssache. Die Spiele der Dorfmannschaft sind ein klasse Übungsfeld: Bei gutem Wetter also mal eine ganze Stunde oder die Zeit für das Spiel in voller Länge investieren. Die Zeit für das Aussortieren der gelungenen Aufnahmen wird doppelt so lang. Die Serienbildfunktion beschert den Fotografen mit 100 und mehr Aufnahmen, und ein großer Teil der Aufnahmen wird entweder nicht an der richtigen Stelle scharf sein, oder zeigt Spieler ohne Ball und ohne ohne Action.

Platz in Blickrichtung lassen

Aufpassen, dass die Akteure Platz nach vorn haben.

Motiv mit Blickrichtung am Rand

Und die Spieler nicht gegen den Rand des Fotos laufen lassen

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Die digitale Fotografie ist ein Segen für die Sportfotografie: Erst Serienfotos bringen zuverlässig gute Aufnahmen in den Kasten.

Bei Fußballspielen können wir uns die Zeit für die Fotos nicht aussuchen und müssen das Licht nehmen, wie es kommt.

Ein lichtstarkes Zoomobjektiv ist die beste Voraussetzung, aber hohe ISO-Einstellungen lassen sich nicht immer vermeiden.

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5,50 m 7,32 m 11 m 1 m 45-90 m 90-120 m 11 m 9,15 m 9,15 m